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„Will ich was verändern, muss ich darüber reden!“

© Rita Maria Ianni
Stand:  1.7.2024
Lesezeit:  03:45 min
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Rita Maria Ianni ist Schwerbehindertenvertreterin aus Leidenschaft – und ganz „nebenbei“ im Betriebsrat

Seit einem Jahrzehnt ist Rita Maria Ianni Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen in ihrem Unternehmen. Ein persönlicher Schicksalsschlag war ausschlaggebend für ihr Engagement, das heute neben detaillierter Beratung, vielen Anträgen und jeder Menge Diskussionen auch gezielte Öffentlichkeitsarbeit umfasst. Um für SBV-Angelegenheiten zu sensibilisieren und etwas zu erreichen, provoziere sie auch gerne mal, wie sie verrät. „Ich weiß, ich bin nicht einfach, aber ich brenne für das Thema.“ Ihre schwerbehinderten und gleichgestellten Kollegen freut das. Und alle anderen ebenfalls, schließlich ist Rita zusätzlich seit vielen Jahren im Betriebsrat tätig.

Engagiert: Rita Maria Ianni von der Vereinigten Volksbank in Sulzbach

Wenn Rita Maria Ianni frühmorgens ihr Büro bei der Vereinigten Volksbank (VVB) in Sulzbach betritt, läutet oft schon das Telefon – oder Kollegen warten bereits vor der Tür. Dann geht es häufig um gesundheitliche Dinge, um Sachstandsanträge oder Nachfragen, wann mit einer Entscheidung zum Antrag auf Schwerbehinderung beziehungsweise Gleichstellung zu rechnen ist. Rita ist seit 2014 Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen bei der VVB und somit für rund 60 Mitarbeiter verantwortlich. „Die Dunkelziffer dürfte wie überall deutlich höher sein“, vermutet sie. An einem „typischen“ Arbeitstag kümmert sie sich um viele Anliegen der betroffenen Arbeitnehmer, begleitet Bewerbungs- sowie Mitarbeitergespräche oder trifft sich mit dem Vorstand zum Jour Fixe. Und dann wäre da ja noch ihre Tätigkeit in der Kreditsachbearbeitung. Ihr besonderes Steckenpferd ist und bleibt allerdings die Öffentlichkeitsarbeit für die Schwerbehindertenvertretung. 

Schwerbehindertenvertreterin und Betriebsrätin  

Warum? „Weil die SBV oft untergeht. Viele denken, sie unterliegt dem Betriebs- oder Personalrat, sei so etwas wie die kleine Schwester – das wurmt mich“, sagt Rita. Dabei könne eine engagierte SBV jede Menge bewegen für die Belegschaft. „Oft kommen wir nicht zur Geltung, deshalb ist es mir wichtig, dass wir gesehen werden.“ Das meint Rita voller Respekt den „anderen“ Gremien gegenüber, schließlich sitzt sie seit vielen Jahren zudem im Betriebsrat.

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Egal ob SBV oder Betriebsrat, wir müssen die Leute mitnehmen!

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Bei der VVB ist in den letzten Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit der Arbeitnehmervertretungen einiges passiert, die Präsenz der SBV bei der Belegschaft ist deutlich gestiegen – und das ist allen voran Ritas Verdienst. „Egal ob SBV oder Betriebsrat, wir müssen die Leute mitnehmen. Natürlich sind die Mitarbeiter nicht so in den Themen drin wie wir, die daran werkeln. Daher muss man sie informieren.“ Damit das gelingt, nutzen sie bei der VVB „Just Social“, eine Plattform zur Kommunikation und Zusammenarbeit für die knapp 450 Mitarbeiter. Sowohl Betriebsrat als auch SBV haben hier eigene Kanäle und werden regelmäßig von Rita bespielt: Allgemeines, Broschüren, Infos zu inklusiver Führung, Statistiken, Nachweise, steuerliche Aspekte oder Fakten zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Darüber hinaus wird hier der SBV-Newsletter von Rita eingestellt.

SBV-Newsletter nahezu komplett in Eigenregie 

Einmal im Quartal veröffentlicht Rita den Newsletter rund um die SBV. Auf etwa zehn Seiten versucht sie möglichst alles abzudecken, was das Sozialrecht angeht. Schreibt über aktuelle Urteile, rechtliche Aspekte, gibt Tipps oder integriert in die Weihnachtsausgabe mal ein Märchen. „Kommt insgesamt gut an“, freut sich Rita. Und das übrigens nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe. „Es lesen viele Kollegen, die nicht schwerbehindert oder gleichgestellt sind.“ Bei der Newsletter-Erstellung ist Rita im Grunde eine Einzelkämpferin, umso mehr recherchiert sie im Vorfeld, was sie hinterher zu (digitalem) Papier bringt. „Es gibt ja immer was zu berichten“, ist sie sicher, dass ihr die Themen nicht ausgehen werden. Ein gewaltiger Aufwand bleibt es, der alle drei Monate auf Rita wartet. Deshalb ist wichtig, dass sie Freude dabei ist – „mir macht es riesigen Spaß!“. Da sie eine ganze Zeit lang in der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt war, als sie 1999 zur VVB kam, verfügt sie über Kenntnisse im Texten und Layouten, was bei der Erstellung immens hilft.

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Die Emotionen müssen halt raus, aber es darf nicht persönlich werden.

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Ganz „nebenbei“ unterstützt sie den Newsletter des Betriebsrats, den „Betriebsratsbrief“, mit regelmäßigen Beiträgen. „Es ist schon ein Vorteil, dass ich in beiden Gremien bin, daher ist das eine enge und gute Zusammenarbeit“, sagt sie zufrieden und konkretisiert: „Während ich beispielsweise häufig zu viel Spezialwissen voraussetze und dann eingebremst werden muss, denke ich bei anderen Dingen immer sofort an Benachteiligung oder Diskriminierung, was der eine oder andere im Betriebsrat vielleicht nicht sofort sieht.“ Das könne schon mal zu hitzigen Diskussionen führen, sei jedoch kein Problem für Rita: „Die Emotionen müssen halt raus, aber es darf nicht persönlich werden.“

„Was sind schon zehn Minuten, wenn ich damit jemanden helfen kann?“, sagt Rita Maria Ianni.

Eine gefragte Ansprechpartnerin 

 

Ritas SBV-Engagement ist auch dank der Öffentlichkeitsarbeit längst über die Unternehmensgrenzen hinweg bekannt. So kann es schon mal vorkommen, dass sie privat angesprochen wird, etwa beim Einkaufen oder via Telefon, weil ein Kollege ihre Nummer weitergegeben hat. „Was sind schon zehn Minuten, wenn ich damit jemanden helfen kann?“. 

Darüber hinaus wird sie mittlerweile zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen oder wird für Interviews angefragt. „Wenn ich was verändern will, muss ich darüber reden“, sagt sie über die Bedeutung, SBV-Themen wie Barrierefreiheit immer wieder in Erinnerung zu rufen. 

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Bei einem gebrochenen Bein wissen alle Bescheid, aber eine seelische Erkrankung kann ich nicht sehen.

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Spricht Rita über die SBV, ist die Leidenschaft in jedem ihrer Worte greifbar. Warum es für sie eine solche Herzenssache ist? „Weil es um Menschen geht, die durch eine Erkrankung nicht unbedingt ernst genommen werden“, sagt sie. Ein persönlicher Schicksalsschlag vor gut zehn Jahren war die Initialzündung, weshalb sie sich heute derart engagiert. „Mein Spezialgebiet sind psychische Erkrankungen, weil es da immer noch Vorbehalte gibt. Bei einem gebrochenen Bein wissen alle Bescheid, aber eine seelische Erkrankung kann ich nicht sehen.“ 

Mittlerweile nimmt Rita völlig selbstverständlich unter anderem an der VVB-Vertreterversammlung teil und hat es geschafft, die Anliegen der SBV auf diverse Tagesordnungen zu heben. Es war ein langer Weg, wie sie zugibt, der sich mittlerweile ausgezahlt hat. Ein Fulltime-Job als Ehrenamt, wenn man so will. Von dem sie es zumindest in der Freizeit schafft, sich emotional abzugrenzen – außer manchmal beim Einkaufen. (tis)

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