Der KI-Beauftragte stärkt die Handlungsfähigkeit des Betriebsrats

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Stand:  17.2.2026
Lesezeit:  01:45 min
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So sorgen Sie im Gremium für Orientierung und Sicherheit beim Thema Künstliche Intelligenz

Ein Beauftragter für Künstliche Intelligenz im Betriebsrat trägt dazu bei, dass technologische Innovationen transparent, fair und mit Akzeptanz in der Belegschaft eingeführt werden, sagt der ifb-Bildungsreferent und Jurist Julius Besner. Wir sprachen mit ihm über die Rolle eines KI-Beauftragten im Gremium, welche Aufgaben er übernimmt und wer sich dafür gut eignet. 

Was ist denn die Rolle des KI-Beauftragten im Betriebsrat, was macht er genau?

Julius Besner: Der KI-Beauftragte ist ein Betriebsratsmitglied, das innerhalb des Gremiums als fachlich spezialisierter Ansprechpartner für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz fungiert. Es handelt sich nicht um ein gesetzlich geregeltes Amt, sondern um eine interne Aufgabenverteilung. Ziel ist es, Wissen zu bündeln und das Gremium dabei zu unterstützen, KI-Themen sachgerecht einzuordnen und zu bewerten.

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Eine ausdrückliche gesetzliche Verpflichtung, einen KI-Beauftragten zu benennen, gibt es nicht.

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Gibt es dafür eine rechtliche Grundlage oder sogar eine Pflicht?

Julius Besner: Eine ausdrückliche gesetzliche Verpflichtung, einen KI-Beauftragten zu benennen, gibt es nicht. Allerdings verpflichtet die europäische KI-Verordnung Arbeitgeber dazu, für ausreichende KI-Kompetenz im Unternehmen zu sorgen, wenn KI-Systeme eingesetzt werden. Da Mitbestimmung integraler Bestandteil betrieblicher Entscheidungsprozesse ist, liegt es nahe, auch im Betriebsrat entsprechende Kompetenz aufzubauen – etwa durch eine spezialisierte Rolle.

Reicht es denn nicht aus, sich bei Bedarf extern beraten zu lassen?

Julius Besner: Externe Sachverständige sind wichtig. Sie ersetzen aber nicht das eigene Grundverständnis im Gremium. Mitbestimmungsrechte bei technischen Einrichtungen können nur sinnvoll wahrgenommen werden, wenn der Betriebsrat selbst einordnen kann, worum es geht. Ein KI-Beauftragter sorgt dafür, dass dieses Wissen im Gremium vorhanden ist und nicht jedes Mal bei null begonnen werden muss.

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Ein Ki-Beauftragter beobachtet, wo im Unternehmen KI-Systeme geplant, eingeführt oder verändert werden

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Welche konkreten Aufgaben übernimmt ein KI-Beauftragter im Betriebsrat?

Julius Besner: Er beobachtet, wo im Unternehmen KI-Systeme geplant, eingeführt oder verändert werden, und prüft frühzeitig, ob Mitbestimmungsrechte betroffen sind. Außerdem unterstützt der KI-Beauftragte das Gremium bei der Bewertung technischer Fragen, wirkt an Betriebsvereinbarungen mit und koordiniert gegebenenfalls die Zusammenarbeit mit externen Sachverständigen oder Fachabteilungen. Die Verantwortung bleibt beim gesamten Betriebsrat. Die Spezialisierung dient dazu, die Arbeit effizienter zu machen und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen

Welche Voraussetzungen sollte ein Betriebsratsmitglied für diese Rolle mitbringen?

Julius Besner: Wichtig sind Interesse an digitalen Themen, analytisches Denken und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären. Technische Vorkenntnisse sind hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung. Entscheidend ist, die Schnittstelle zwischen Technik, Recht und Mitbestimmung auszufüllen. Da sich KI stetig weiterentwickelt, gehört auch laufende Weiterbildung dazu.

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Wer frühzeitig Kompetenz aufbaut und Zuständigkeiten klärt, kann KI-Projekte aktiv begleiten und mitgestalten.

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Welchen Tipp hast Du für Gremien, die über die Einsetzung eines KI-Beauftragten nachdenken?

Julius Besner: Nicht zu warten, bis konkrete Konflikte entstehen. Wer frühzeitig Kompetenz aufbaut und Zuständigkeiten klärt, kann KI-Projekte aktiv begleiten und mitgestalten. Ein KI-Beauftragter stärkt die Handlungsfähigkeit des Betriebsrats und trägt dazu bei, dass technologische Innovationen transparent, fair und mit Akzeptanz in der Belegschaft eingeführt werden.

Julius Besner

ifb-Bildungsreferent und Jurist

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