SBV-Tipps für das letzte Jahr der Amtszeit

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Stand:  2.2.2026
Lesezeit:  02:30 min
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Wie kann die SBV im letzten Jahr der Amtszeit ihren Fokus schärfen, was kann sie noch bewegen in diesem scheinbar knappen Zeitraum? Darüber sprachen wir mit ifb-Referentin Heidi Wahl. Denn wer zu früh in den „Wahlkampfmodus“ verfällt, verschenkt Wirkung: Inklusion braucht Präsenz und Energie, sagt sie.

Heidi, welche Tipps hast du, damit die Gedanken im letzten Jahr der Amtszeit nicht nur um Fragen der Organisation der bevorstehenden SBV-Wahl kreisen?

Heidi Wahl: Erst mal Luft holen, einen Tee oder Kaffee machen und aus dem Fenster schauen. Ruhe und Raum schaffen für einen klaren Blick. Die Amtszeit läuft noch rund neun Monate. Das ist kein Auslaufen, sondern Schaulaufen. Gestaltungszeit. Und zwar jeden Tag. Wer schon jetzt in den „Wahlkampfmodus“ verfällt, verschenkt Wirkung: Inklusion braucht Präsenz und Energie. Ständig. Ich würde daher „zweigleisig“ vorgehen: Einmal ein Konzept für die Wahl erstellen mit den notwendigen Aufgaben und einem Zeitplan. Parallel fände ich es klug, sich vor dem „Schluss-Spurt“ zu fragen: Was stärkt mich in meinem Ehrenamt, was motiviert mich und was kostet mich Kraft? Denn SBV-Arbeit ist nicht nur thematisch, sondern auch emotional höchst anspruchsvoll. Wer sich täglich um die Sorgen und Nöte von schwerbehinderten Kollegen kümmert, sollte regelmäßig seine Akkus auftanken. Also aktive Selbstfürsorge betreiben.

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Je klarer der Fokus, desto besser die Umsetzungschancen. Besonders wenn es im Alltag hektisch wird.

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„Lohnt“ es sich noch, eine Strategie für das letzte Viertel der Amtszeit zu erarbeiten?

Heidi Wahl: Auf jeden Fall! Je klarer der Fokus, desto besser die Umsetzungschancen. Besonders wenn es im Alltag hektisch wird. Eine gute Strategie bedeutet: wenige Ziele, klare Botschaften, realistische Schritte. Leitfragen können sein: Was will ich bis zur Wahl noch bewegen? Was will ich bis zur Wahl anders machen als bisher? Was möchte ich am Ende meiner Amtszeit hinterlassen oder wie sichere ich meine Wiederwahl?
Eine gute Strategie gibt Orientierung – und zwar nicht nur fürs Amt, sondern auch für sich selbst. Ich meine damit persönliche Klarheit! Nur wer wirklich noch genug Freude und Energie hat, sollte erneut kandidieren. Ansonsten ist es vielleicht Zeit, die Verantwortung abzugeben und eine Nachfolgerin oder Nachfolger zu suchen. 

Wie kann die SBV hier thematisch vorgehen?

Heidi Wahl: Ganz pragmatisch. Ich empfehle drei Schritte für einen klaren Fahrplan:
1.    Hinschauen: Wo stoßen Betroffene im Unternehmen immer wieder an Grenzen?
2.    Priorisieren: Was nervt am meisten – und was ist realistisch veränderbar?
3.    Dranbleiben: Lieber ein Thema konsequent verfolgen als zehn anfangen und keines durchziehen. 
Und wichtig für die eigene Gesundheit: Nicht alles alleine machen und selbst tragen. Nicht immer erreichbar sein. Klare Strukturen und Prozesse entlasten die SBV und machen handlungsfähig. Langfristig gesehen schafft das zudem Vertrauen – bei den Betroffenen, bei den Gremien sowie zuständigen Institutionen.

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Bei jeder Gelegenheit können Barrieren angesprochen und damit sichtbar gemacht werden

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Gibt es Themen, die aus Deiner Erfahrung auch noch in so kurzer Zeit angepackt werden können?

Heidi Wahl: Ja, klar! Sogar mehr als man denkt! Bei jeder Gelegenheit können Barrieren angesprochen und damit sichtbar gemacht werden – insbesondere bei Gesprächen mit Führungskräften und mit der Personalabteilung. Geklärt werden können noch die Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben, Verfahren und Abläufe etwa beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement, Arbeitsplatzanpassungen oder Stellenausschreibungen modifizieren. Auch Infos geben zur Frage: Wer hilft mir wann und wie? Solche Informationen und Strukturen entlasten nicht nur die Betroffenen. Sie sind gleichzeitig hilfreich für die Fokussierung der SBV.

Und wie kann die SBV das schaffen?

Heidi Wahl: In SBV-Seminaren zum Thema Öffentlichkeitsarbeit wird oft berichtet, dass die Kommunikation hinten runterfällt. Es wäre wichtig, dass die Belegschaft sensibilisiert und künftig regelmäßig informiert wird - über die Aufgaben der SBV und auch über die vielen, kleinen Erfolge! Denn die SBV rackert sich ab, aber oft kriegt es keiner mit. Leider. Also: Klappern gehört zum Handwerk! Sprecht über eure Erfolge, mit der Geschäftsführung, mit den Kolleginnen und Kollegen in der Kantine, auf der Betriebsversammlung, hängt Informationen ans Schwarze Brett, gestaltet einen Flyer, nutzt die Medien des Betriebsrats!

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Die SBV kann hier früh Akzente setzen und erläutern, was ihre konkrete Aufgabe ist...

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In den meisten Betrieben wird im Frühjahr ein neuer Betriebsrat gewählt. Macht es aus Deiner Sicht Sinn, diese Kollegen noch ins Boot zu holen in Sachen Inklusion?  

Heidi Wahl: Ja, unbedingt – das ist eine riesige Chance. Neue Betriebsräte sind offen, lernbereit, motiviert und sie suchen Orientierung sowie Verbündete. Die SBV kann hier früh Akzente setzen und erläutern, was ihre konkrete Aufgabe ist, wo Inklusion das Unternehmen attraktiver macht und nicht komplizierter. Am besten mit konkreten Fällen, Beispielen und Zahlen. Ich würde auch offen ansprechen, wo die SBV Unterstützung vom Betriebsrat benötigt und in welchen Bereichen die beiden Gremien zusammenarbeiten können, um Synergieeffekte zu erzielen. Ein prima Startpunkt wäre die Öffentlichkeitsarbeit. Davon hätten alle im Unternehmen etwas. Das wäre echte, strategische Zukunftsarbeit für Inklusion.

Heidi Wahl

Trainerin, Speakerin, Autorin, Coach und ifb-Referentin

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