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Blick über den Tellerrand: Arbeitsrecht in Katar

Heftige Kritik von allen Seiten

Seitdem Katar zur Austragung der Fußball-WM 2022 aus dem Lostopf gezogen wurde, steht es im Fokus – insbesondere in Sachen Arbeitsbedingungen. Auf einer Fläche von 11.610 Quadratkilometern hat das Land am Persischen Golf weniger Einwohner als Berlin. Wie aber steht es dort mit den Rechten von Arbeitnehmern?

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Redaktion

Stand:  15.11.2022
Lesezeit:  02:30 min
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Blick über den Tellerrand: Arbeitsrecht in Katar | © matpit73 - stock.adobe.com

© matpit73 - stock.adobe.com

Das Emirat Katar ist eines der kleinsten Länder in Asien, seine Landschaft besteht hauptsächlich aus Wüste. Und genau hier beginnen die Probleme für eine Fußball-WM, über die sehr viel diskutiert wurde in den vergangenen Monaten und Jahren: Nicht einmal 90 mm Niederschlag im Jahr! Damit gehört Katar zu den trockensten Bereichen der Erde. Das Klima ist ganzjährig subtropisch und heiß. Für die insgesamt 64 Spiele wurden einige neue, voll klimatisierte Spielstätten errichtet, außerdem ein neuer Flughafen und weitere Infrastruktur.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern werden immer wieder als menschenunwürdig bezeichnet.

Keine Gewerkschaften

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern werden immer wieder als menschenunwürdig bezeichnet. Es gibt nicht genug einheimische Arbeitskräfte; z.B. für den Bau der Infrastruktur anlässlich der WM wurden zahlreiche Arbeitskräfte angeheuert. Diese werden jeweils einem „Bürgen“ zugeordnet – der die Ausweise „seiner“ Arbeitnehmer während des Arbeitseinsatzes einbehalten kann. „Etwa 2,3 Millionen Arbeitsmigranten aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka sind so etwas wie moderne Sklaven bei katarischen Baufirmen“, kommentierte der DGB. Gewerkschaften werden untersagt.

Berichte von Todesfällen

„In der Blüte ihres Lebens“ – unter diesem Titel veröffentlichte Amnesty International im Sommer 2021 einen Bericht. Thema waren Todesfälle unter den Gastarbeitern: 15.021 sind den Angaben zufolge alleine zwischen 2010 und 2019 im Land gestorben – und das sind die offiziellen Zahlen! Dunkelziffer unbekannt. Hinzu kommen außerdem zahlreiche Fälle von schweren Verletzungen.

Der Menschenrechtsausschuss des EU-Parlaments hat die Verletzung von Arbeitnehmerrechten kritisiert.

Heftige Kritik von allen Seiten

Der Arbeitsminister des Golfstaates, Ali Bin Samikh Al-Marri, wurde erst wenige Tage vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Katar im Menschenrechtsausschuss des EU-Parlaments für die Verletzung von Arbeitnehmerrechten kritisiert. Bereits zuvor hatte sich Amnesty International dafür entschieden, die Aufmerksamkeit für die WM zu nutzen, um auf die Missstände in Katar hinzuweisen und ganz konkrete Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu erreichen.

Zusammenarbeit mit der ILO

Nach einigem internationalen Druck wurde ab 2018 mit Reformen an den Arbeitsbedingungen gearbeitet. So verabschiedete der katarische Ministerrat Regelungen, die es Arbeitnehmern ermöglichen, ihren Arbeitgeber frei zu wechseln. Vor Ort ist dies aber nicht wirklich angekommen, wie Amnesty International kritisierte. Und genau hier kann vielleicht die Weltöffentlichkeit weiterhelfen: Denn die gestarteten Reformen müssen viel schärfer kontrolliert werden, so viel ist sicher. Aber ob das gelingt?

Zwei neue Berichte der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigen Fortschritte sowie weiter bestehende Herausforderungen der Arbeitsreformen in Katar. So wurden neue Gesetze verabschiedet und die Arbeitsinspektionssysteme verbessert. Neue Gesetze bieten Arbeitnehmern z.B. einen bestimmten Schutz vor Hitze: So ist die Arbeit unter freiem Himmel zwischen dem 01. Juni und dem 15. September von 10 Uhr und 15:30 Uhr verboten.

Es ist noch ein langer Weg.

Keine Betriebsräte, aber ...

So etwas wie Betriebsräte gibt es (weiter ) nicht im Land, aber neu sind Repräsentanten der Arbeitsmigranten:

"Bis heute haben über 70 Firmen solche gemeinsamen Komitees eingeführt, in denen 613 Arbeitnehmer*innen nun über 40 000 Angestellte repräsentieren. Dutzende weiterer Firmen wurden fortgebildet, um in Zukunft Wahlen abzuhalten", so die ILO.

Fakt ist aber auch: Es ist noch ein langer Weg. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und zahlreichen Todesfälle werfen auf jeden Fall einen übergroßen Schatten auf die WM 2022. (cbo)

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