News Kündigung Naked Quitting: Spontan den Job hinschmeißen – und dann?

Naked Quitting: Spontan den Job hinschmeißen – und dann?

Trend zur Kündigung ohne Anschlussbeschäftigung

Plötzlich ist er da, der Satz im Gespräch mit Kollegen: „Mir reichts. Ich kündige!“ Vor allem jüngere Beschäftigte aus der Generation Z spielen offenbar häufig mit dem Gedanken, einfach auszusteigen - ohne neuen Job in der Hinterhand. Unzufriedenheit im Arbeitsalltag, der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance oder eine berufliche Neuorientierung treiben den Trend an, der unter dem Schlagwort „Naked Quitting“ gerade durch die Sozialen Netzwerke geht. Was steckt dahinter?

Stand:  23.1.2026
Lesezeit:  02:30 min
Naked Quitting | © AdobeStock | Studio Nova

Naked Quitting – bitte erst denken, dann blankziehen

Wenn Sie beim Begriff „Naked Quitting“ spontan das Bild eines Mitarbeiters vor Augen haben, der splitterfasernackt seine Kündigung auf den Schreibtisch seines Chefs legt, um seiner Missgunst gegenüber dem Job Ausdruck zu verleihen, dann liegen Sie falsch. Oder zumindest nur ein kleines bisschen richtig. Mit Entblößung hat Naked Quitting höchstens symbolisch zu tun, es geht um etwas anderes. Um eine Kündigung ohne Netz und doppelten Boden.

Wörtlich übersetzt bedeutet „Naked Quitting“ tatsächlich so etwas wie „nackt aufhören“.

Die nackten Tatsachen zum Trend

Wörtlich übersetzt bedeutet „Naked Quitting“ tatsächlich so etwas wie „nackt aufhören“. Gemeint ist damit eine Kündigung ohne Anschlussbeschäftigung, also der radikale Abgang ohne einen neuen Job in der Hinterhand. Ein Gedanke, der vielen sicher schon einmal durch den Kopf gegangen ist. Auslöser sind oft schlechte Führung, fehlende Wertschätzung, Dauerstress, ungerechte Behandlung oder das Gefühl, dass sich an der eigenen Situation ohnehin nichts mehr ändern wird. Irgendwann kocht es hoch und man denkt: Jetzt reicht’s, ich schmeiß alles hin.

Woher kommt Naked Quitting?

Der Begriff stammt aus den Sozialen Netzwerken und wird, je nach Quelle, China oder den USA zugeschrieben. Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram inszenieren manche ihren Jobausstieg öffentlich, inklusive Kündigungsschreiben, Jubelpose und Freiheitsgefühl. Das ist dann sozusagen der digitale Striptease der Arbeitswelt: Viel Applaus, viele Likes, aber leider kein neuer Arbeitsvertrag in Sicht.

So befreiend der Gedanke auch sein mag, Naked Quitting ist kein Wellnessurlaub, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser

Warum spontane Kündigungen selten eine gute Idee sind

So befreiend der Gedanke auch sein mag, Naked Quitting ist kein Wellnessurlaub, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser - ohne zu wissen, wie tief es ist. Also risikoreich!

Die Risiken auf einen Blick

  • Finanzielle Schieflage
    Ohne neues Einkommen wird es schnell eng. Rücklagen schmelzen schneller als gedacht und nicht jeder hat ein finanzielles Polster für mehrere Monate.
  • Arbeitslosengeld mit Sperrfrist
    Bei Eigenkündigung droht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Aus dem Gefühl von Freiheit wird dann rasch ein sehr nüchterner Blick auf den Kontoauszug.
  • Psychischer Druck
    Was sich zunächst wie Befreiung anfühlt, kann schnell in Stress umschlagen. Bewerbungsdruck, Selbstzweifel und Zukunftsängste lassen grüßen.
  • Karriereknick statt Neustart
    Eine spontane Kündigung ohne Plan kann im Lebenslauf Fragen aufwerfen. Nicht jede Lücke lässt sich charmant erklären, auch nicht mit Verweis auf einen Social-Media-Trend.
  • Digitaler Fußabdruck und Außenwirkung
    Viele Arbeitgeber und Recruiter schauen sich vor einer Einstellung öffentliche Social-Media-Profile an. Wer dort einen impulsiven oder emotionalen Jobausstieg zelebriert, kann schnell als unprofessionell oder unbequem wahrgenommen werden. Was kurzfristig Befreiung bringt, kann im nächsten Bewerbungsprozess leise, aber wirkungsvoll gegen einen arbeiten.

Das heißt: Kündigen darf man, öffentlich abzurechnen, das sollte man sich allerdings gut überlegen. Wer unbedingt Dampf ablassen will, tut das besser im privaten Umfeld oder im Gespräch mit dem Betriebsrat und nicht vor laufender Kamera.

So riskant Naked Quitting sein kann, für manche eröffnet es auch die Chance auf einen bewussten Neustart.

Chancen zwischen Neustart und Neuorientierung

So riskant Naked Quitting sein kann, für manche eröffnet es auch die Chance auf einen bewussten Neustart. Eine berufliche Auszeit kann helfen, Prioritäten zu klären, neue Perspektiven zu gewinnen und gezielt Kompetenzen durch Weiterbildung oder Umschulungen aufzubauen. Entscheidend ist, dass dieser Schritt geplant erfolgt und nicht aus einem Moment der Erschöpfung oder Spontanität heraus.

Rolle des Betriebsrats: Handtuch reichen statt Applaus klatschen

Wenn Kollegen mit dem Gedanken an Naked Quitting spielen, ist Besonnenheit gefragt. Als Betriebsrat sollten Sie zuhören, die Betroffenen ernst nehmen, aber auch bremsen. Nicht jeder Frust braucht sofort den radikalen Schnitt.
Oft gibt es Alternativen zur Kündigung: Gespräche mit Führungskräften, Versetzungen, Qualifizierungen, Entlastungsmaßnahmen oder auch der klassische Plan B mit Bewerbungen aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus. Manchmal ist der Wunsch zu kündigen weniger ein Abschied vom Job als ein Hilferuf nach Veränderung.
Und nicht selten steckt hinter dem Gedanken an Naked Quitting genau das, was zuvor schon als Quiet Quitting  begonnen hat. Innerlich gekündigt, nur noch Dienst nach Vorschrift, emotional längst auf Abstand. Wer hier früh hinschaut, kann Eskalationen vermeiden und aus stiller Resignation oder spontaner Kündigung wieder einen gestaltbaren Weg machen. Kurz gesagt: Lieber erst beraten lassen, dann kündigen. Und bitte weder „laut nackt“ noch „leise innerlich“. (sw)

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