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Freizeitparkchefin wünscht sich Interessenvertretung – und bekommt sie

© Freizeitpark Traumland
Stand:  23.3.2023
Lesezeit:  04:15 min
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„Für mich war ein Betriebsrat der nächste logische Schritt“

Dass jemand die Gründung eines Betriebsrats forciert, kommt vor – und das ist auch gut so. Dass jemand sein Vorhaben in einem Podcast kundtut, ist sicherlich schon etwas seltener. Dass es sich bei der Person um die Unternehmensinhaberin handelt, dürfte indes wohl relativ einzigartig sein. Genau das ist passiert im Traumland, dem Freizeitpark auf der Bärenhöhle in Baden-Württemberg. Ines Ehe wollte sich nicht abbringen lassen, obwohl befreundete Unternehmer sie gewarnt hatten. Mittlerweile hat das Gremium seine Arbeit aufgenommen.

Inhaberin Ines Ehe (rechts) hatte sich einen Betriebsrat gewünscht.

Ein Traum(land) für Betriebsräte

 

Ines Ehe muss lachen. Die Frage, warum ausgerechnet sie sich als Inhaberin des Freizeitparks Traumland in Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb einen Betriebsrat wünscht, wird ihr in letzter Zeit häufiger gestellt. Es war Ende des Jahres 2022, als sie im firmeneigenen Podcast erstmals von ihrem Anliegen erzählt hatte. Die Geschichte, wie sie überhaupt auf die Idee kam, ist dabei äußerst skurril: Ein befreundeter Unternehmer erzählte ihr, dass in seinem Betrieb über die Gründung eines Betriebsrats gemunkelt wird – und wie viele Sorgen er sich darüber machen würde. Infolgedessen fing sie an zu recherchieren und war zunächst überrascht: „Da musste ich mich erstmal reinfuchsen, weil natürlich viele rechtliche Aspekte zu beachten sind“, sagt die 42-Jährige. Und dennoch ist sie vom Mehrwert einer Interessenvertretung im Traumland überzeugt: „Für mich war ein Betriebsrat der nächste logische Schritt in unserer Historie.“

Rund 200.000 Besucher im Jahr  

Ines Ehe ist 23 Jahre alt, als sie nach BWL-Studium in die Geschäftsführung des Freizeitparks Traumland kommt. Ihr Vater hatte den Betrieb 1974 gegründet – im kommenden Jahr steht also das 50-jährige Jubiläum an. Los ging es mit einer Attraktion, in den folgenden Jahren kamen immer weitere dazu. Der Freizeitpark wuchs stetig, besonders in der letzten Dekade. Trotz Corona-Bremse konnten die Besucherzahlen auf rund 200.000 pro Jahr verdoppelt, der Umsatz vervierfacht und die Mitarbeiterzahlen verfünffacht werden – eine echte Erfolgsstory. „Unser Ziel sind leuchtende Kinderaugen und entspannte Eltern“, so Ines Ehe über ihr Traumland, das sie als „Einsteigerpark“ für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bezeichnet. Das erste Mal Achterbahn, Wasserbahn oder der erst „Freefall“.

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Wenn die Hütte im Sommer brennt, leisten meine Mitarbeiter enorm viel.

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Im Freizeitpark Traumland gibt es jetzt einen Betriebsrat.

Ganz wesentlich zum Erfolg beigetragen haben in den Augen von Ines Ehe die Mitarbeiter, von denen 40 festangestellt sind und weitere 210 über die Sommersaison verteilt im Freizeitpark arbeiten. „Wir haben keine Plätze hinter den Kulissen. Es sollte also jeder mit Menschen arbeiten wollen“, spricht sie etwa über Reinigungskräfte, die völlig selbstverständlich während eines Tages auch mal in Kundenkontakt kommen. „Unser Qualitätsanspruch ist es, die Gäste auch am Sonntagnachmittag mit einem Lächeln in das Fahrgeschäft einsteigen zu lassen.“ Klingt selbstverständlich, ist es bei Weitem nicht. Schließlich arbeitet das Traumland-Team immer dann, wenn die meisten anderen frei haben: am Wochenende, in der Urlaubszeit, an Feiertagen. „Wenn die Hütte im Sommer brennt, leisten meine Mitarbeiter enorm viel.“ Gerade deshalb freut sich Ines Ehe, die an solchen Tagen auch selbst mal in der Spülküche steht oder am Eingang sitzt, über das gute Betriebsklima. Aber: Um das zu erhalten, muss sie eine Menge tun. Auf rund 80 Prozent beziffert sie den Anteil ihrer Arbeit, der sich ausschließlich um ihre Mitarbeiter dreht. Drei Tage zusätzlicher Urlaub, private Krankenzusatzversicherung, überdurchschnittlicher Arbeitgeberanteil bei der betrieblichen Altersvorsorge und viele weitere Benefits – über all das dürfen sich Arbeitnehmer im Traumland freuen. Dennoch weiß Ines Ehe, dass „vieles, was heute noch toll ist, morgen schon zur Normalität gehört“. Daher gilt es, hinsichtlich der Mitarbeiterzufriedenheit umtriebig zu bleiben - und genau an dem Punkt kommt der Betriebsrat ins Spiel.

Der Betriebsrat als große Chance

„Ich sehe es im Moment als große Chance“, kommentiert Ines Ehe, die sich gerade in Sachen Kommunikation einiges von der neuen Interessenvertretung erhofft. Die Basis stimme ihrer Ansicht nach im Traumland, „aber es ist natürlich nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, schließlich wird in den Sommermonaten überaus hart geschuftet“. Besonders dann gehe es darum, das Betriebsklima aufrechtzuerhalten, die Arbeitsbedingungen und den Arbeitsschutz sogar noch ein Stück weit zu verbessern. „Ganz davon abgesehen wünsche ich mir auch eine Entlastung, da der Betriebsrat eine Anlaufstelle für die Mitarbeiter ist.“

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Der Betriebsrat hilft sicherlich, schwelende Konflikte frühzeitig zu erkennen.

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Das Traumland, der Freizeitpark auf der Bärenhöhle

Nachdem sie ihren Wunsch publik gemacht hatte, meldeten nicht nur befreundete Unternehmer, sondern auch ihre leitenden Angestellten Bedenken an. Ines Ehe beruhigte sie, skizzierte vielmehr die Vorteile eines Betriebsrats. Längst haben sich Initiatoren für die Betriebsratsgründung gefunden und die Wahlversammlung wurde abgehalten. Auch die Betriebsratswahl selbst hat ebenso wie die konstituierende Sitzung bereits stattgefunden und das Gremium hat seine Arbeit aufgenommen. „Noch ist alles ganz frisch, aber ich freue mich sehr auf den regelmäßigen Austausch“, so die Freizeitparkchefin. Dass zukünftig Prozesse länger dauern, es mitunter zu heftigen Diskussionen kommen kann, befürchtet sie nicht – ganz im Gegenteil: „Vielleicht bin ich zu optimistisch, aber es war schon immer so: Gibt es ein Problem, dann suchen wir eine Lösung. Der Betriebsrat hilft sicherlich, schwelende Konflikte frühzeitig zu erkennen.“ 

 

Nicht viele Unternehmer zeigen bei der Mitbestimmung einen solchen Weitblick wie Ines Ehe, die sich neben einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat vor allem eines für die kommende Freizeitparksaison – Start ist am 1. April – wünscht: gutes Wetter! (tis)

Vorschau

Ein Gespräch mit dem allerersten Betriebsrat im Traumland folgt in ein paar Monaten. Sobald sich dieser ein wenig im Ehrenamt eingelebt hat.

Wer sich für die Gründung eines Betriebsrats interessiert, findet alle Informationen auf unserer Seite zur BR-Wahl. 

 

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