Die KI als Ausbilderin?

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Stand:  22.7.2026
Lesezeit:  03:00 min
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Welche Rolle Künstliche Intelligenz in der Ausbildung spielt und warum menschliche Ausbilder unverzichtbar sind

„Wie formuliere ich eine professionelle E-Mail an einen Kunden?“ Früher hätte ein Azubi dafür höchstwahrscheinlich den Ausbilder gefragt oder im „Handbuch“ nachgeschlagen. Heute landet die Frage direkt in einem Chatbot. Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in den Ausbildungsalltag – als Nachhilfelehrer, Recherchehilfe oder persönlicher Lerncoach. Doch könnte sie theoretisch selbst ausbilden? Und was bedeutet das für Azubis, Betriebe und die JAV?

Die allermeisten Auszubildenden nutzen Künstliche Intelligenz längst völlig selbstverständlich. Ob beim Verfassen von Texten, beim Erstellen von Präsentationen oder beim Verstehen komplexer Fachthemen. Ein Chatbot zum Beispiel kann Fragen rund um die Uhr beantworten, Inhalte erklären und sogar auf individuelle Wissensstände eingehen. Wer etwa in der Berufsschule Schwierigkeiten mit einem Thema hat, erhält innerhalb weniger Sekunden zusätzliche Erklärungen, Beispiele oder kleine Übungsaufgaben.

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Die allermeisten Auszubildenden nutzen Künstliche Intelligenz längst völlig selbstverständlich.

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Auch Unternehmen entdecken diese Möglichkeiten. Einige Betrieb setzen bereits KI-gestützte Lernplattformen ein, die Lernfortschritte analysieren und individuelle Schulungsinhalte empfehlen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und knappen personellen Ressourcen klingt das für viele Betriebe attraktiv. Die KI kann so zu einer Art digitaler Lernbegleiterin werden, die stets verfügbar und darüber hinaus geduldig ist.

Was KI in der Ausbildung bereits übernehmen kann 

Tatsächlich gibt es zahlreiche Aufgaben, bei denen KI einen echten Mehrwert liefert. Neben der Lernunterstützung sind die Einsatzmöglichkeiten etwa im kaufmännischen Bereich vielfältig: Eine KI kann Entwürfe für E-Mails formulieren, Protokolle zusammenfassen oder bei der Recherche unterstützen. In technischen Berufen wiederum kann sie dabei helfen, Fehler in Programmcodes zu identifizieren oder komplexe technische Zusammenhänge verständlicher darzustellen. Selbst Sprachbarrieren lassen sich überwinden, wenn Texte übersetzt oder vereinfacht erklärt werden.

Warum der menschliche Ausbilder nicht ersetzt wird

So beeindruckend die Möglichkeiten mittlerweile sind: Ausbildung besteht aus weit mehr als purer Wissensvermittlung. Wer neu in die Arbeitswelt einsteigt, muss nicht nur fachliche Kompetenzen erwerben, sondern auch soziale und persönliche Fähigkeiten entwickeln. Wie verhält man sich in einer Besprechung? Wie spricht man Kunden professionell an? Wie geht man mit Kritik um? Wann ist Eigeninitiative gefragt und wann sollte man lieber nachfragen? Solche Erfahrungen entstehen im täglichen Miteinander und genau hier stößt KI zweifellos an ihre Grenzen. 

Eine Künstliche Intelligenz kann erklären, wie ein Konfliktgespräch theoretisch geführt werden sollte. Sie kann aber nicht die Stimmung in einem Team wahrnehmen, nonverbale Signale deuten oder einem jungen Menschen durch eigenes Vorbild zeigen, wie respektvolle Zusammenarbeit funktioniert. Auch Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Kollegialität oder ein professioneller Umgang mit Vorgesetzen werden vor allem im realen Arbeitsalltag gelernt.

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Die KI hilft vor allem denen, die sie strategisch verstehen.

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Und noch eine Sache wird in Bezug auf die KI häufig unterschätz: Wie bereits mehrere Studien verdeutlicht haben, hilft die KI vor allem denen, die sie strategisch verstehen. Um beim Eingangsbeispiel zu bleiben: Wenn ich nicht beurteilen kann, ob eine E-Mail professionell wirkt, kann mir der Chatbot viele (schlechte) Vorschläge machen. Ich werde also nicht drumherum kommen, einmal zu lernen, was eine professionelle E-Mail tatsächlich ausmacht. Einer KI fachlich blind zu vertrauen, ist definitiv keine gute Idee. Man muss in jedem Fall verstehen, worum es geht, denn – und das sollte mittlerweile jeder verstanden haben – eine KI macht nun mal Fehler!

Neue Aufgabe für die JAV

Die zunehmende Nutzung von KI wirft zugleich Fragen auf, die für Jugend- und Auszubildendenvertreter relevant sind. Werden alle Auszubildenden ausreichend auf den Umgang mit KI vorbereitet, auch auf die Risiken? Gibt es klare Regeln für die Nutzung? Wie wird sichergestellt, dass beispielsweise Lerninhalte korrekt sind und Azubis nichts unkritisch übernehmen? Und welche Kompetenzen brauchen Fachkräfte künftig in Sachen KI? 

Die JAV kann hier eine wichtige Rolle übernehmen, schließlich kennt sie die Perspektive der Auszubildenden und kann frühzeitig darauf hinwirken, dass KI sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Dazu gehört, auf Schulungsangebote zu drängen und darauf zu achten, dass digitale Tools die Ausbildung ergänzen, statt persönliche Betreuung zu ersetzen. Die KI kann die Ausbildung unterstützen, sie bleibt jedoch weiterhin Aufgabe von Menschen. Denn niemand lernt Höflichkeit, Teamgeist oder Verantwortungsbewusstsein von einer Software allein. Dafür braucht es Kollegen, Ausbilder und nicht zuletzt eine engagierte JAV, die die Interessen der jungen Beschäftigten weiterhin im Blick behält. (tis) 

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