Ein Gespräch über Zusammenhalt, Mitsprache und die Themen, die junge Beschäftigte bewegen
Deutschlandticket, Leistungsprämien oder flexible Arbeitszeiten – die Themen, mit denen sich Jana als Jugend und Auszubildendenvertreterin beschäftigt, sind vielfältig. Und noch etwas steht für die 29-Jährige im Mittelpunkt: der Zusammenhalt. In den letzten vier Jahren hat sie als JAV erlebt, wie aus einzelnen Auszubildenden eine Gemeinschaft geworden ist. Im Gespräch erzählt sie, welche Themen aktuell auf ihrem Tisch liegen, warum sie bei KI relativ gelassen bleibt und weshalb Mitbestimmung oft mit einer einfachen Frage beginnt: „Wie läuft’s eigentlich bei dir?“
Jana, Du bist inzwischen seit knapp vier Jahren in der JAV aktiv. Wenn Du auf diese Zeit zurückblickst: Was hat Dich am meisten überrascht?
Jana: Wie viel man tatsächlich bewegen kann. Viele denken bei Interessenvertretung sofort an Konflikte und lange Auseinandersetzungen. Das gibt es sicherlich auch, aber oft erlebt man das Gegenteil. Man bringt ein Thema ein, erklärt, warum es sinnvoll ist und bekommt Zustimmung. Das hat mich am Anfang ehrlich gesagt überrascht.
Gibt es dafür ein Beispiel?
Jana: Das Deutschlandticket für die Auszubildenden. Das habe ich irgendwann angesprochen und die Reaktion war im Grunde: „Ja klar, warum eigentlich nicht?“ Das war total unkompliziert. Natürlich freut man sich über so etwas, weil es den Azubis unmittelbar etwas bringt.
Worauf bist Du als Jugend- und Auszubildendenvertreterin besonders stolz?
Jana: Aktuell auf eine Leistungsprämie für besonders gute Ausbildungsabschlüsse. Das ist ein Thema, das wir selbst angestoßen und vorangebracht haben. Jetzt geht es darum, dass die Regelung über eine Gesamtbetriebsvereinbarung für alle Standorte verankert wird.
Beim Zuhören gewinnt man den Eindruck, dass Dich etwas anderes noch mehr freut.
Jana: Das stimmt. Am stolzesten bin ich tatsächlich auf das Wir-Gefühl unter den Auszubildenden. Das klingt vielleicht erst einmal unspektakulär, aber bei uns wechseln die Azubis gemäß Ausbildungsplan regelmäßig die Abteilung. Dadurch arbeitet nicht jeder automatisch mit jedem zusammen. Trotzdem ist eine echte Gemeinschaft entstanden. Die Leute kennen sich, unterstützen sich und halten oft sogar nach der Ausbildung Kontakt. Das finde ich unglaublich wertvoll.
Wie schafft man so etwas?
Jana: Vor allem durch Austausch. Ich mache ungefähr alle vier Wochen einen festen Termin mit den Azubis. Dort informiere ich über aktuelle Themen, aber oft geht es einfach darum, miteinander zu sprechen. Da werden Geschichten aus der Berufsschule erzählt, Erfahrungen ausgetauscht oder einfach mal gemeinsam absurde Situationen aus dem Alltag besprochen. Das ist kein steifer Termin, es geht darum, dass man sich kennt und wohlfühlt.
Ist das auch der Schlüssel, um junge Menschen für Mitbestimmung zu begeistern?
Jana: Zumindest ein wichtiger Teil davon. Viele Auszubildende wissen anfangs gar nicht, welche Dinge man beeinflussen kann, schließlich ist es für die meisten die erste Arbeitserfahrung überhaupt. Wenn sie merken, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, kommen sie auch auf einen zu.
Welche Themen beschäftigen die Azubis bei Euch denn derzeit besonders?
Jana: Ein großes Thema sind momentan die Arbeitszeiten von minderjährigen Auszubildenden. Die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes haben natürlich eine Schutzfunktion.. Gleichzeitig führen sie dazu, dass Minderjährige länger Pause machen müssen und weniger Möglichkeiten haben, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Während ältere Beschäftigte Zeitguthaben auf- oder abbauen können, funktioniert das für sie nur sehr eingeschränkt.
Ein schwieriges Thema, weil Ihr die gesetzlichen Vorgaben nicht einfach ändern könnt …
Jana: Genau, das macht es kompliziert. Es geht nicht darum, Schutzrechte abzuschaffen. Aber man muss trotzdem darüber sprechen dürfen, wie sich solche Regelungen im Alltag auswirken. Die Betroffenen wünschen sich mehr Flexibilität. Deshalb versuchen wir, das Thema immer wieder einzubringen und nach Lösungen zu suchen.
Ein anderer Bereich, der überall diskutiert wird, ist Künstliche Intelligenz. Wie wird das bei Euch, einem Unternehmen aus der Finanz-Softwarebranche, wahrgenommen?
Jana: Klar beschäftigt uns das. Betriebsrat und Geschäftsführung setzten sich damit auseinander und schauen, welche Möglichkeiten neue Tools bieten. Man muss mit der Zeit gehen und die gleichen Optionen wie die Konkurrenz ausschöpfen. Große Angst nehme ich allerdings bei uns nicht wahr. Ich habe nicht das Gefühl, dass unsere jungen Mitarbeiter befürchten, morgen von KI ersetzt zu werden. Unsere Arbeit ist sehr speziell, da hilft einem ein Chatbot (noch) nicht automatisch bei jeder Aufgabe weiter. Deshalb sehe ich KI momentan eher als Werkzeug und nicht als Ersatz für Menschen.
Trotzdem wird KI die Ausbildung verändern.
Jana: Davon gehe ich aus und das finde ich auch richtig. Ausbildung sollte zeitgemäß sein, das gilt für die betriebliche Praxis genauso wie für die Berufsschule. Ich würde mir sogar wünschen, dass junge Kolleginnen und Kollegen neue Kompetenzen mitbringen. Das ist schließlich eine Chance für das Unternehmen.
Fühlst Du Dich mit den Anliegen der jungen Beschäftigten ernst genommen?
Jana: Ja, definitiv. Vom Betriebsrat sowieso. Aber auch insgesamt habe ich nie das Gefühl gehabt, ignoriert zu werden. Logischerweise beschäftigt sich die Geschäftsführung mit vielen Themen gleichzeitig und die JAV ist nur ein kleines davon. Trotzdem werden unsere Anliegen gehört und diskutiert. Das ist keineswegs selbstverständlich und weiß ich zu schätzen.
Deine JAV-Zeit endet im Herbst. Fällt Dir der Abschied schwer?
Jana: Ein bisschen schon. Die Arbeit macht mir wirklich sehr viel Spaß. Zugleich bin ich beruhigt, dass wir gute Nachfolger gefunden haben – das war mir wichtig. Und wer weiß: Ein späteres Engagement im Betriebsrat ist sicherlich nicht ausgeschlossen. Ich Moment möchte ich mich auf meine fachliche Weiterentwicklung konzentrieren, weil ich viele Kolleginnen und Kollegen um mich herum habe, von denen ich noch unglaublich viel lernen kann. Diese Chance möchte ich nutzen, danach wird man weitersehen. (tis)
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