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Als Betriebsrat stilsicher und selbstbewusst: Knigge zeigt, wie es geht

Ratschläge für souveränes Auftreten

Bei Verhandlungen oder bei Firmenfeierlichkeiten kann es nicht schaden, wenn Sie als Betriebsrat gesellschaftliche Normen kennen und die Etikette beachten. Meistens kommen hier Ratschläge vom Freiherrn Knigge ins Spiel. Doch zu Unrecht wird er auf den reinen „Benimmguru“ reduziert.

Ralf Richter

ifb. Bildungsreferent & Kommunikationstrainer

Stand:  16.9.2016
Lesezeit:  02:15 min
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Betriebsrat stilsicher und selbstbewusst | © Robert Kneschke - Fotolia.com

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Das Telefon klingelt. Michael S., Gesamtbetriebsratsvorsitzender eines großen Technolgiekonzerns, schaut auf die Anzeige und erkennt sofort die Nummer. Na endlich denkt er und hebt ab. Die Sekretärin des Vorstandsvorsitzenden bestätigt den angefragten Besprechungstermin und Michael freut sich, dass es endlich klappt. Die Umstrukturierung einer ganzen Unternehmenssparte soll verhandelt werden und der Termin ist für einen ganzen Tag angesetzt.

Die Aussicht, auf Leitungsebene mit der Unternehmensführung zusammen zu sein hat ihm vor zwei Jahren noch die Schweiß auf die Stirn getrieben. Dabei waren es gar nicht fachliche Gründe, die ihn ins Schwitzen gebracht hatten. Als Controller fühlte er sich thematisch durchaus sicher. Es war die Befürchtung, sich als Person zu blamieren, das Selbstbewusstsein mit dem Mantel an der Garderobe abzugeben und gewissen Fragen der Etikette nicht zu kennen. Sein bester Freund riet ihm damals schmunzelnd doch mal beim „alten Knigge“ nachzuschlagen.

Schon Knigge wusste : Auf einen selber kommt es an

Die erste Recherche im Internet half Michael S. nicht weiter. Es ist ja schon interessant zu wissen, wie man am besten mit der Serviette umgeht oder wann man einer Frau den Vortritt lässt und wann nicht. Aber würde ihm das auf der Chefetage weiterhelfen? Durch Zufall fand er dann aber den Originaltext von Adolph Freiherr Knigge und war erstaunt, wie aktuell und hilfreich sein Werk Über den Umgang mit Menschen“ von 1788 war. Und vor allem: Nur wenige Seiten befassen sich mit klassischen Benimmregeln. Michael S. las stattdessen, wie wichtig es ist, mit sich selber gut umzugehen. Denn, so schreibt Knigge, „jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht“.  Dadurch, dass er, Michael, das Gefühl hatte denen da oben nicht das Wasser reichen zu können, hatte er sich klein gemacht. Wieso sollten die Chefs ihn als gleichwertigen, kompetenten Gesprächspartner anerkennen, wenn er selber das schon nicht tat?

Schau, dass Du nie die innere Zuversicht zu Dir selber verlierst!

Noch so ein wahrer Spruch vom Freiherrn. Michael S. fühlte sich schon etwas gestärkt in seinem Vorhaben, auf der Chefetage selbstbewusst aufzutreten. Doch, wenn man dort schon eine andere Meinung von ihm oder dem Betriebsrat an sich hat? Dann meint Knigge, dass man „nicht gar zu sehr ein Sklave der Meinung anderer“ von sich sein soll.

Das Ziel: Respektvoll und selbstbewusst

Erstaunt las Michael S., dass der Knigge ihm sogar bei Verhandlungen helfen kann. Er war immer der Meinung, dass es als professionell angesehen wird, wenn jemand schnell auf Fragen antwortet. Doch klar - wenn er es sich recht überlegt -, es kann schon sein, dass „ein einziges rasches, unvorsichtiges Wort oder ein in der Verwirrung unternommener Schritt zu späte Reue und unglückliche Folgen wirken können“. Dann lieber noch einmal kurz Nachdenken.

Und noch etwas wurde ihm bei der Lektüre klar: Wenn ich will, dass sich die Vorstandsetage für die Belange der Belegschaft interessiert, dann muss ich auch ihre Interessen kennen. Im Laufe der Jahre hat Michael S. festgestellt, dass die Unterschiede nur in der Sprache und der Taktik liegen und nicht in der Sache an sich.

„Ja, der alte Knigge“, denkt Michael S. mit Blick in den Terminkalender. Er hatte ihm damals nichts aufregend Neues gesagt, aber den Blick wieder auf das Wesentliche gelenkt. Das mit dem ersten Eindruck hatte er dann auch gut hinbekommen. Bis heute herrscht ein respekt- und verständnisvolles Verhältnis zwischen ihm und dem Vorstand. Und, das mit der Serviette hatte er beim Geschäftsessen souverän gemeistert: bei Benutzung auf den Schoß danach gefaltet links neben den Teller.

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