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Welcher KI-Nutzer sind Sie?

KI- Verweigerer, "für wenig sinnvoll-Halter", Rosinenpicker oder gar Heimlichnutzer?

Künstliche Intelligenz ist für viele längst Teil des Arbeitsalltags. Und doch scheiden sich an ihr die Geister, im Team, in der Abteilung und nicht selten auch im Führungskreis. Während die einen noch diskutieren, ob man KI überhaupt braucht, haben andere sie längst im Einsatz. Manche heimlich als sogenannte AI Creeper. Manche begeistert, manche mit leicht schlechtem Gewissen. Was also tun, wenn offizielle Regeln fehlen oder Skepsis überwiegt? 

Stand:  12.1.2026
Lesezeit:  02:30 min
AI Creeping | © AdobeStock | khosrork.

KI-Nutzung in deutschen Unternehmen: ein geteiltes Bild 

Wie weit künstliche Intelligenz in deutschen Unternehmen tatsächlich angekommen ist, zeigt eine aktuelle Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem letzten Quartal 2024. Demnach setzen 37 Prozent der befragten Unternehmen KI-Technologien ein. Die Mehrheit, 59,8 Prozent, nutzt bislang gar keine KI, nicht einmal  frei verfügbare Tools. KI ist also noch kein flächendeckender Standard, sondern eher ein Thema zwischen Vorreitern, Abwartenden und konsequenten Ignorierern. 

Ein Blick auf die Unternehmensgröße erklärt einiges. 

  • Große Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten liegen mit 66,3 Prozent deutlich vorn. 
  • Mittlere Unternehmen folgen mit 56,1 Prozent. 
  • Kleine Unternehmen bis 49 Beschäftigte liegen mit 35,6 Prozent deutlich zurück. 

Kurz gesagt: Dort, wo Ressourcen, Zeit und Fachwissen vorhanden sind, ist KI häufiger im Einsatz. Gleichzeitig zeigt der hohe Anteil der Nichtnutzer, dass zwischen technischem Potenzial und tatsächlicher Umsetzung weiterhin eine beachtliche Lücke klafft. 

Diese Zurückhaltung auf offizieller Ebene steht jedoch im auffälligen Kontrast zu einem anderen Phänomen: den sogenannten AI Creepern.

Künstliche Intelligenz kommt oft „durch die Hintertür“ 

Diese Zurückhaltung auf offizieller Ebene steht jedoch im auffälligen Kontrast zu einem anderen Phänomen: den sogenannten AI Creepern. Das sind die Heimlichnutzer, die Rosinenpicker, die begeistert ihre Arbeit durch KI-Tools optimieren. Demnach findet Künstliche Intelligenz in vielen Unternehmen nicht über Einführungsprojekte, sondern über die Beschäftigten selbst ihren Weg. Sie wird ausprobiert, integriert und genutzt, oft ohne klare Regeln und ohne ausdrückliche Erlaubnis. Frei nach dem Motto: Erst mal machen, dann schauen. 

Wie verbreitet diese stille Nutzung inzwischen ist, zeigen Studien aus dem Jahr 2025. Die globale Untersuchung „Trust, attitudes and use of artificial intelligence“ von KPMG und der University of Melbourne, durchgeführt zwischen November 2024 und Januar 2025 mit über 48.000 Befragten aus 47 Ländern, kommt zu einem klaren Ergebnis: 57 Prozent der Beschäftigten geben an, ihre KI-Nutzung gegenüber dem Arbeitgeber zu verbergen. 

Noch deutlicher wird es bei Fachkräften. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Personalberatung SThree zeigt, dass 77 Prozent der MINT-Beschäftigten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) KI-Tools im Job ohne Genehmigung nutzen, viele davon regelmäßig oder sogar täglich. Effizienzgewinne, Zeitdruck und fehlende Vorgaben wirken hier wie ein stiller Beschleuniger. 

Auch Bitkom-Erhebungen aus Oktober 2025 bestätigen diesen Trend. In vielen Unternehmen werden private oder nicht freigegebene KI-Tools eingesetzt, besonders dort, wo klare Leitlinien, Schulungen und Transparenz fehlen. KI ist damit oft längst Realität im Arbeitsalltag, noch bevor sie offiziell Teil der IT- oder Unternehmensstrategie geworden ist. 

Fehlende oder unklare Vorgaben treffen auf eine private Nutzung, die für viele längst selbstverständlich ist.

Warum Mitarbeitende KI heimlich nutzen 

  • Unklare Regeln und gelebte Praxis 
    Fehlende oder unklare Vorgaben treffen auf eine private Nutzung, die für viele längst selbstverständlich ist. Wo Orientierung fehlt, wird ausprobiert. Hat sich KI als Arbeitserleichterung bewährt, wird sie weiter genutzt, oft leise und ohne offizielle Abstimmung. 
  • Angst vor Verboten oder Sanktionen 
    Offene KI-Nutzung könnte als Regelverstoß, Schummeln oder kreative Abkürzung missverstanden werden. Heimlichkeit wirkt da oft wie der sicherere Weg. 
  • Leistungs- und Zeitdruck 
    Künstliche Intelligenz wird genutzt, um Zeit zu sparen und Arbeit zu bewältigen. Häufig geht es dabei nicht um Regelbruch, sondern um Effizienz und mitunter auch um einen Leistungsvorsprung gegenüber den Kollegen. 
  • Fehlende Schulung und Einbindung 
    Was man sich selbst beibringt, teilt man nicht unbedingt offen, vor allem dann nicht, wenn Unsicherheit über Datenschutz oder Verantwortung besteht. 
  • Sorge vor Kontrolle und Bewertung 
    Die Angst, KI-Nutzung könnte überwacht oder zur Leistungsbewertung herangezogen werden, sorgt dafür, dass man lieber nichts sagt und einfach weiterarbeitet. 

Der Arbeitgeber und die Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle für den erfolgreichen Einsatz von KI-Systemen.

Heimliche KI-Nutzung eindämmen – aber mit Unterstützung 

Der Arbeitgeber und die Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle für den erfolgreichen Einsatz von KI-Systemen. Sie schaffen die Rahmenbedingungen, die darüber entscheiden, ob Künstliche Intelligenz effizient, verantwortungsvoll und chancengleich von allen Beschäftigten genutzt werden kann.

1. Klare, verständliche Regeln schaffen
Unklare oder fehlende Vorgaben sind der Haupttreiber für Heimlichkeit. Der Arbeitgeber sollte klar festlegen: 

  • welche KI-Tools erlaubt sind,
  • wofür sie genutzt werden dürfen,
  • welche Daten tabu sind.

Regeln sollten pragmatisch und alltagstauglich sein. Zu strenge oder realitätsferne Vorgaben fördern nur neue Umgehungsstrategien.

2. Legale und sichere Alternativen anbieten 
Wer keine zugelassenen Tools bekommt, nutzt private. Offiziell freigegebene KI-Lösungen, datenschutzkonform und gut erreichbar, nehmen der heimlichen Nutzung den Boden. 

3. Schulungen statt Misstrauen 
Viele Beschäftigte nutzen KI, ohne Risiken vollständig zu kennen. Schulungen zu Datenschutz, Urheberrecht und verantwortungsvollem Einsatz wirken besser als Kontrollmaßnahmen. 

4. KI-Nutzung enttabuisieren 
Offenheit durch Führungskräfte ist entscheidend. Wer signalisiert, dass KI ein gern gesehenes Arbeitsmittel ist und kein Betrugsversuch, senkt die Hemmschwelle zur Transparenz. 

5. Keine verdeckte Leistungsüberwachung 
KI darf nicht zum Einfallstor für Leistungs- oder Verhaltenskontrolle werden. Wer Kontrolle befürchtet, bleibt heimlich. 

Der Einsatz von KI berührt regelmäßig Mitbestimmungsrechte, insbesondere bei Leistungs- und Verhaltenskontrollen

Was der Betriebsrat tun kann 

Damit AI Creeping im Unternehmen nicht überhandnimmt und heimliche KI Power-Nutzer und Rosinenpicker die Skeptiker überholen, sollte der Betriebsrat frühzeitig klare Regeln einfordern. Der Einsatz von KI berührt regelmäßig Mitbestimmungsrechte, insbesondere bei Leistungs- und Verhaltenskontrollen, bei der Einführung neuer Arbeitsmittel sowie bei Fragen der Qualifizierung und Arbeitsorganisation. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Betriebsrat am Thema dranbleiben und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz aktiv mitgestalten. 
Zentrale Leitplanken lassen sich über eine Betriebsvereinbarung festlegen. Sie sollte klar regeln, wofür KI eingesetzt werden darf, eine individuelle Leistungsbewertung ausschließen und Transparenz gegenüber den Beschäftigten sicherstellen.  

Ebenso entscheidend ist die Qualifizierung der Beschäftigten. Wer KI nutzen soll oder darf, muss verstehen, wie sie funktioniert und welche Risiken bestehen. Schulungen sind daher kein optionales Zusatzangebot, sondern ein wesentlicher Bestandteil guter und chancengleicher Arbeitsgestaltung – und zwar für alle. (sw) 

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