Zwischen Betriebsratssitzung, Projektarbeit und Familienalltag – eine Betriebsrätin im Interview
Lässt sich ein Betriebsratsamt mit einer Teilzeitstelle vereinbaren? Sandra sagt: Ja. Die größten Herausforderungen sind für sie nicht die Betriebsratsaufgaben selbst, sondern Rahmenbedingungen, die noch immer stark auf Vollzeitkräfte zugeschnitten sind. Im Interview spricht die Betriebsrätin über volle Terminkalender, Kommunikation im Betrieb und darüber, warum sie den Schritt in den Betriebsrat jederzeit wieder gehen würde.
Sandra, Du arbeitest in Teilzeit. Wie gut lässt sich das Betriebsratsamt damit vereinbaren?
Sandra: Tatsächlich besser, als manche vielleicht vermuten. Ich bin einfaches Betriebsratsmitglied und weder Vorsitzende noch Stellvertreterin. Wir haben jede Woche eine Sitzung und manchmal kommen außerordentliche Sitzungen dazu. Mich persönlich stresst das aber nicht besonders. Ich arbeite hauptsächlich projektbezogen und habe kein klassisches Tagesgeschäft mehr. Dann dauert etwas eben mal einen Tag länger.
Wo stößt Du trotzdem an Grenzen?
Sandra: Was wirklich schwierig ist: Die Arbeitswelt ist oft gar nicht auf Teilzeitkräfte ausgelegt. Das merke ich schon in meinem normalen Job. Wenn mehrere Personen beteiligt sind, wird es oft kompliziert, passende Termine zu finden. Ich mache meist gegen 13 oder 13:30 Uhr Feierabend, viele andere arbeiten dann natürlich weiter.
Viele Teilzeitkräfte kennen das Gefühl: Die Stunden werden weniger, die Aufgaben aber nicht unbedingt.
Sandra: Genau das erlebe ich auch. In der Realität läuft es selten so, dass jemand kommt und sagt: „Du arbeitest jetzt nur noch halb so viel, also nehmen wir Dir die Hälfte Deiner Aufgaben ab.“ Mein Schreibtisch war nach der Reduzierung der Arbeitszeit nicht plötzlich leerer. Gerade in kleineren Unternehmen ist das oft schwer aufzufangen. Die Arbeit bleibt ja bestehen und muss erledigt werden.
Ist es deshalb eher ein Nachteil, als Betriebsrätin in Teilzeit zu arbeiten?
Sandra: Zumindest habe ich bisher noch keinen echten Vorteil erlebt. Viele können gar nicht nachvollziehen, wie eng ein Teilzeit-Kalender oft getaktet ist. Gleichzeitig habe ich aber auch nicht das Gefühl, im Betriebsrat wegen meiner Teilzeit benachteiligt zu werden.
Schulungen bleiben für Teilzeitkräfte eine besondere Herausforderung …
Sandra: Ja, absolut. Das ist wahrscheinlich sogar die größte Herausforderung. Als Teilzeitkraft passen mehrtägige Ganztagsschulungen oft nur schwer zum Familienalltag.
Du bist seit Mai im Betriebsrat und damit noch relativ neu. Hat Dich in den ersten Monaten etwas überrascht?
Sandra: Eigentlich weniger die Themen selbst. Durch meine frühere Tätigkeit als Führungskraft hatte ich schon Berührungspunkte mit dem Betriebsrat. Was mir eher auffällt: Viele Beschäftigte wissen gar nicht, was ein Betriebsrat im Alltag alles macht.
Woran machst Du das fest?
Sandra: Von außen sieht man oft nur, dass der Betriebsrat regelmäßig tagt. Man bekommt aber nicht unbedingt mit, welche Themen bearbeitet werden oder warum bestimmte Sitzungen notwendig sind. Deshalb halte ich Kommunikation für ein ganz wichtiges Thema. Da können Unternehmen und Betriebsräte gleichermaßen noch transparenter werden.
Wie erlebst Du die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung?
Sandra: Grundsätzlich positiv. Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und damit auch Reibungspunkte, das gehört dazu. Aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass beide Seiten daran interessiert sind, konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Was genau gibt Dir das Engagement zurück?
Sandra: Ich finde es spannend, wieder näher an bestimmten Unternehmensentscheidungen zu sein und Themen aus erster Hand mitzubekommen. Außerdem habe ich durch die Betriebsratsarbeit wieder mehr Kontakt zur Geschäftsleitung – das empfinde ich persönlich als positiv. Und natürlich lernt man viel dazu.
Wenn Du heute noch einmal entscheiden müsstest, würdest Du also wieder für den Betriebsrat kandidieren?
Sandra: Ja, auf jeden Fall. Das Betriebsratsamt beeinträchtigt mein Leben überhaupt nicht negativ. Im Gegenteil: Ich empfinde vieles als Bereicherung. Man muss realistisch bleiben, was den zeitlichen Aufwand angeht, aber ein Betriebsratsamt und Teilzeit schließen sich definitiv nicht aus. (tis)
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