Quo vadis, „Made in Germany”?

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Reformpaket für Deutschland: Industriekrise, Standortdebatte, neue Hoffnung

Die Bundesregierung will mit einem umfangreichen Reformpaket die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Bürokratieabbau, Investitionsanreize und mehr Wettbewerbsfähigkeit sollen den Standort Deutschland stärken. Doch reicht das aus? Viele Traditionsunternehmen stehen weiter unter Druck, während neue Branchen wachsen. Was heute noch hinter „Made in Germany“ steckt.

„Wir wollen Deutschland wieder flottkriegen.“ Mit diesen Worten stellte Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang Juli 2026 die Ergebnisse des Koalitionsausschusses vor. Die Bundesregierung hat sich auf ein Reformpaket mit 34 Maßnahmen verständigt. Ziel ist es, Investitionen anzuregen, Wachstum zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu verbessern. „Wir werden Innovationen ‚Made in Germany‘ fördern …“, heißt es ganz konkret beim zwölften Punkt des Paketes unter „Wachstum und Gerechtigkeit“.

Viele Traditionsunternehmen unter Druck 

Dass etwas passieren muss, kommt nicht von ungefähr, denn viele Betriebe kämpfen weiterhin mit hohen Energie- und Personalkosten, schwacher Nachfrage und einem verschärften internationalen Wettbewerb. Keine Frage, die Industrie steht unter Druck. Das Traditionsunternehmen Miele, um nur ein Beispiel zu nennen, reagierte bereits mit einem umfassenden Sparprogramm. Unter anderem wurden Teile der Waschmaschinenproduktion ins Ausland verlagert. 

Für Betriebsräte ist es also längst keine fiktive Debatte mehr. Restrukturierungen, Verlagerung und Tarifverträgen prägen vielerorts den Arbeitsalltag. Deshalb stellt sich die Frage: Hat „Made in Germany“ überhaupt noch dieselbe Bedeutung wir früher? 

Einst ein Siegel zur Warnung vor Produkten aus Deutschland

Kurioserweise wurde das Siegel Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien eingeführt, um vor Billigplagiaten aus Deutschland zu warnen – es ging allen voran um Messer. Der Plan ging nicht auf, die deutschen Produkte holten auf und „Made in Germany“ war plötzlich ein Hinweis für gute Qualität – und ist es bis heute. Das beweist unter anderem der Nation Brands Index. Die Studie misst seit 2008 jährlich die Wahrnehmung und das Markenimage von Ländern auf der ganzen Welt. Nachdem Deutschland das Ranking Jahre lang anführte, hat Japan 2023 den Spitzenplatz von der Bundesrepublik übernommen. Aber auch ein zweiter Platz – im Jahr 2025 war man erneut führend in Europa – passt irgendwie nicht so ganz zum Abgesang auf „Made in Germany“, der vielerorts angestimmt wird.

Aus Fabriken werden Zukunftslabore 

Lange war „Made in Germany“ fast automatisch mit Industriebproduktion verbunden. Heutzutage entsteht Wertschöpfung allerdings zunehmend in digitalen Geschäftsmodellen, Softwarelösungen und Künstlicher Intelligenz. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie sich die Gewichte verschieben: Der Branchenverband Bitkom erwartet für 2026 ein Wachstum des ITK-Marktes (Informations- und Telekommunikation) um 4,4 Prozent auf 245 Milliarden Euro. Besonders stark wachsen Softwaregeschäft, Cloud-Anwendungen und KI-Plattformen. Inzwischen beschäftigt die Digitalwirtschaft sogar mehr Menschen als Maschinenbau, Elektro- und Automobilindustrie.

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In Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche, hoher Kosten und geopolitischer Spannungen zeigt sich die Digitalwirtschaft widerstandsfähig.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst in einer Presseinformation Anfang 2026

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„In Zeiten anhaltender Konjunkturschwäche, hoher Kosten und geopolitischer Spannungen zeigt sich die Digitalwirtschaft widerstandsfähig“, sagte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst in einer Presseinformation Anfang 2026. Gleichzeitig forderte er bessere Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. Genau dort setzt das Reformpaket der Bundesregierung an – zumindest in der Theorie. Ob die Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, wird sich erst noch zeigen.

Positives Beispiel aus Baden-Württemberg 

Und ja, sie gibt es noch, die Erfolgsgeschichten aus Deutschland. Nur ein Beispiel ist das Robotik-Unternehmen „Neura Robotics“ aus Metzingen: Während viele Unternehmen Produktionskapazitäten ins Ausland verlagern, ging das Unternehmen den umgekehrten Weg und holte seine Fertigung von China nach Deutschland zurück. Erst kürzlich sammelte das Unternehmen laut „Focus“ in der größten Finanzierungsrunde, die je ein Start-up geschafft hat, bis zu 1,4 Milliarden Dollar ein. „Neura Robotics“ arbeitet übrigens an sogenannter „Physical AI“, die keine Texte oder Bilder generiert, sondern reale Maschinen steuert. Bisher kamen aus diesem Bereich die positiven Meldungen allen voran aus China oder den USA. Das Beispiel zeigt: Der Standort Deutschland kann weiterhin attraktiv sein.

Pessimismus vs. Optimismus 

Doch was ist denn nun mit „Made in Germany“? Für überbordenden Pessimismus gibt es jedenfalls (noch) keinen Grund, das Gütesiegel hat noch nicht ausgedient. Zwar stehen einige Traditionsunternehmen vor Herausforderungen, doch viele davon haben das längst erkannt und versuchen, gegenzusteuern. Zugleich tut sich derzeit die Chance auf, parallel ein völlig neues Verständnis für die Qualität deutscher Produkte zu erschaffen: eine Art „innovative Made in Germany“. Und zumindest das lässt doch optimistisch in die Zukunft blicken. (tis)

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