Psychische Erkrankungen zählen längst zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Deutschland – und Angst spielt dabei eine zentrale Rolle. Angststörungen bilden mit rund 15 % der Betroffenen die größte Gruppe dieser Erkrankungen und zeigen sich sehr unterschiedlich: von generalisierter Sorge und Panikattacken bis hin zu ganz spezifischen Auslösern. Aktuelle Daten des RKI bestätigen diesen Trend: Rund 14 % der Erwachsenen berichten derzeit über auffällige Angstsymptome – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2021, als dieser Wert noch um rund 5 % niedriger lag.
Phobien gehören zu den Angststörungen, unterscheiden sich jedoch dadurch, dass die Angst klar auf einen bestimmten Auslöser gerichtet ist – etwa enge Räume, Menschenmengen, oder Keime. Solche Ängste können zu Vermeidung, Stress und Leistungsblockaden im Job führen, allerdings ist die Abgrenzung nicht immer einfach.
Fakt ist: Die Liste der bekannten Phobien ist sehr lang – Fachleute gehen von rund 650 verschiedenen Phobieformen aus. Entscheidend für den Arbeitskontext ist die Frage, welche Situationen für Betroffene vermeidungs- oder panikauslösend sind.
Arbeitsplatzphobie – wenn schon der Gedanke ans Büro Panik auslöst
Phobien, die die Arbeit belasten könnten
Arbeitsplatzphobie – wenn schon der Gedanke ans Büro Panik auslöst
Vielleicht ruft die Bezeichnung erstmal Unverständnis oder eine leichte Belustigung bei manchen hervor. Aber es gibt sie wirklich. Die Arbeitsplatzphobie! Darunter versteht man eine starke, irrationale Angst vor dem Arbeitsplatz selbst.
Typisch sind:
- Panik oder körperliche Symptome, wenn an die Arbeit gedacht wird
- Vermeidung (Krankmeldungen, Zuspätkommen, Fluchtverhalten)
- Auslöser können Konflikte, Überforderung, belastende Ereignisse, Mobbing oder traumatische Erfahrungen im Job sein.
Je nach Tätigkeit können verschiedenste Phobien den Arbeitsalltag erheblich beeinträchtigen.
Andere Phobien, die bei der Arbeit stören können
Je nach Tätigkeit können verschiedenste Phobien den Arbeitsalltag erheblich beeinträchtigen. Hier eine kurze Übersicht:
- Soziale Phobie
Angst vor Bewertung und sozialer Interaktio.Im Arbeitskontext: Rückzug im Team, Vermeidung von Gesprächen und Meetings, Blockaden bei Vorträgen oder Kundengesprächen. - Agoraphobie
Angst vor Menschenmengen oder offenen, unübersichtlichen Situationen.
Im Arbeitskontext: Überfüllte Verkehrsmittel, Großraumbüros, Events oder stark frequentierte Bereiche können Panik auslösen. - Klaustrophobie
Furcht vor räumlicher Enge oder mangelnder Fluchtmöglichkeit. Im Arbeitskontext: Aufzüge, kleine Labore, Archive, Lager- oder Maschinenräume können zur extremen Belastung werden.
Weitere spezifische Phobien
- Akrophobie
Angst vor Höhe oder Absturzgefahr.
Im Arbeitskontext: Leitern, Gerüste, Hochregallager, Dacharbeiten. - Zoophobie
Angst vor Tieren wie Spinnen, Hunde oder Insekten.
Im Arbeitskontext: Bürohunde, Spinnen im Lager, Arbeiten im Freien oder in Kellern. - Telefonphobie
Angst vor spontanen oder wichtigen Telefongesprächen.
Im Arbeitskontext: Meiden von Telefonaten, Unsicherheit im Kundenkontakt oder Hotline-Tätigkeiten. - Technophobie
Angst vor Technik oder digitalen Systemen. Im Arbeitskontext: Einführung neuer Tools (z. B. KI, Microsoft 365), Maschinenarbeit, Digitalisierung. - Aerophobie
Furcht vor Flugreisen oder Flugzeugen.Im Arbeitskontext: Außendienst, internationale Projekte, Geschäftsreisen. - Amaxophobie
Furcht, selbst ein Auto zu fahren oder mitzufahren.Im Arbeitskontext: Außendienst, Kundentermine, Schichtarbeit ohne gute ÖPNV-Anbindung. - Nyctophobie
Angst vor Dunkelheit oder schlecht beleuchteten Bereichen.Im Arbeitskontext: Nachtarbeit, Frühschichten, Lagerhallen, Außengelände.
Was kann Betroffenen helfen?
- Angsttrigger reduzieren
Beispiele:
• Alternativen zum Fahrstuhl (oder barrierefreie Zugänge)
• Rückzugsräume
• flexible Arbeitsorte (z. B. Home-Office-Anteile)
• ruhige Zonen im Großraumbüro - Gespräche anbieten – ohne zu pathologisieren
Ein vertrauliches Gespräch, ggf. durch HR oder betriebliche Gesundheitsmanager, kann Türen öffnen. - Professionelle Hilfe
Psychologische Beratung, Virtuelle-Realität-Expositionstherapie beim Therapeuten angehen, Seminare zu Stresskompetenz.
Viele Beschäftigte sprechen aus Scham oder Angst nicht offen über ihre Beschwerden.
Viele Beschäftigte sprechen aus Scham oder Angst nicht offen über ihre Beschwerden. Sie als Betriebsrat können hier durch Ihre Nähe zur Belegschaft früh Signale erkennen, anonymisierte Hinweise einbringen, gegen Stigmatisierung wirken und dafür sorgen, dass Betroffene vor Druck oder Mobbing geschützt werden.
Darüber hinaus können Sie unterstützen, indem Sie Gespräche anregen, Unsicherheiten abbauen und Betroffene ermutigen, bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Damit tragen Sie entscheidend dazu bei, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem psychische Belastungen nicht tabuisiert, sondern verantwortungsvoll und wertschätzend behandelt werden.
Fazit: Phobien am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit – sie werden nur selten offen angesprochen. Gerade deshalb braucht es ein achtsames Umfeld. Ein wacher Blick, ein vertrauliches Gespräch oder eine gezielte Nachfrage können bereits der erste Schritt sein, um Angst zu erkennen, bevor sie krank macht. (sw)