WM und Fußballspaß: Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen

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Stand:  8.6.2026
Lesezeit:  02:45 min
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Anpfiff für Millionen Fans, Alltag für hunderttausende Beschäftigte

48 Teams, 104 Spiele und Millionen Fußballbegeisterte: Die WM 2026 wird größer als jede Weltmeisterschaft zuvor. Mit einem neuen Menschenrechtsrahmen und speziellen Beschwerdemechanismen will die FIFA bei der WM 2026 Arbeits- und Menschenrechte stärker schützen als bei früheren Turnieren. Doch wie sieht die Realität hinter den Kulissen aus?

Die USA, Kanada und Mexiko machen die WM 2026 zum bislang größten Turnier der FIFA-Geschichte. Von der Pazifikküste bis zum Atlantik wird ein ganzer Kontinent fast sechs Wochen lang im Fußballfieber sein. Und nicht nur dort. Weltweit blicken Fußballfans auf diese drei Länder.

Dabei stehen auch andere Menschen im Mittelpunkt, über die weniger berichtet wird: Bauarbeiter, Reinigungskräfte, Hotelangestellte, Sicherheitsmitarbeiter, Hostessen und Fahrer. Sie alle sorgen dafür, dass das Mega-Turnier überhaupt stattfinden kann.

Die Erwartungen sind hoch. FIFA und die Organisationskomitees prognostizieren Hunderttausende zusätzlicher Arbeitsplätze und spürbare wirtschaftliche Impulse für die Gastgeberländer. Vor allem Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und Verkehr sollen profitieren. Gleichzeitig verspricht die FIFA mit einem erstmals offiziell im Turnierkonzept verankerten Menschenrechtsrahmen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Schutz der Menschenrechte.

Doch zwischen den ehrgeizigen Zielen und der Realität liegen die Arbeitsplätze der Menschen, die das Turnier möglich machen. Genau hier beginnt die eigentliche Geschichte dieser Weltmeisterschaft.

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Die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze rund um die WM 2026 entstehen hinter den Kulissen.

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Wer arbeitet dort überhaupt?

Die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze rund um die WM 2026 entstehen hinter den Kulissen. Gesucht wurden vor allem Beschäftigte im Baugewerbe, in Hotels und Restaurants, bei Sicherheitsdiensten, im Transportwesen sowie in der Reinigung. Viele dieser Tätigkeiten erledigen Saisonkräfte, Zeitarbeiter oder Beschäftigte von Subunternehmen. Frauen arbeiten dabei häufiger in Service-, Hotel- und Reinigungsberufen, während Bau und Sicherheit weiterhin überwiegend männlich geprägt sind. Menschenrechtsorganisationen warnten jedoch, dass gerade in diesen Branchen häufig niedrige Löhne, befristete Verträge und unsichere Beschäftigungsverhältnisse vorkommen.

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Ob der neue Menschenrechtsrahmen der FIFA tatsächlich Wirkung zeigt, wurde bereits vor dem Anpfiff kontrovers diskutiert.

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Menschenrechte auf dem Prüfstand

Ob der neue Menschenrechtsrahmen der FIFA tatsächlich Wirkung zeigt, wurde bereits vor dem Anpfiff kontrovers diskutiert. So kritisierte die internationale Baugewerkschaft BWI schon 2025, dass ihr unabhängige Kontrollen der Bauarbeiten am Azteca-Stadion in Mexiko-Stadt erschwert worden seien. Die Gewerkschaft hatte gefordert, die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle eigenständig überprüfen zu können. Die FIFA verwies dagegen auf ihre eigenen Kontroll- und Beschwerdemechanismen sowie auf die Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretungen vor Ort. Zudem betonte der Weltverband, die WM sei ein globales Ereignis mit komplexen Liefer- und Arbeitsketten, für das ein umfassendes System zur Überwachung von Menschenrechtsstandards geschaffen worden sei. Kritiker halten jedoch dagegen, dass unabhängige Kontrollen durch externe Gewerkschaften und Organisationen unverzichtbar seien, um Arbeitsschutz, Arbeitszeiten und faire Bezahlung wirksam zu überprüfen.

Doch auch andere Arbeits- und Sozialfragen rückten in Mexiko kurz vor dem Anpfiff in den Mittelpunkt. Tausende Lehrer demonstrierten seit Mitte Mai für höhere Löhne und bessere Rentenbedingungen. Gewerkschaftsvertreter drohten zeitweise sogar damit, die weltweite Aufmerksamkeit rund um die WM für weitere Protestaktionen zu nutzen. Damit wurde deutlich, dass die Diskussion über faire Arbeitsbedingungen nicht nur die WM-Baustellen betrifft, sondern weit darüber hinausreicht.

Auch in den USA kam es kurz vor dem Turnier zu Arbeitskämpfen. Beschäftigte in Hotels, Restaurants und Stadien forderten höhere Löhne, mehr Arbeitsplatzsicherheit und bessere Arbeitsbedingungen. In New York konnten Tarifkonflikte mit Tausenden Hotelbeschäftigten erst nach intensiven Verhandlungen kurz vor der WM beigelegt werden. 

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte das SoFi Stadium in Los Angeles, einer der wichtigsten WM-Spielorte. Dort stimmten rund 2.000 Beschäftigte aus Gastronomie und Catering mit großer Mehrheit für eine Streikermächtigung. Die Gewerkschaft begründete den Schritt mit festgefahrenen Tarifverhandlungen und Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen sowie mehr Schutz für Beschäftigte. Zwar kam es zunächst nicht zu einem Streik, der Konflikt machte jedoch deutlich, dass die Diskussion über faire Arbeit auch in einem der wirtschaftlich stärksten Gastgeberländer der Welt längst nicht abgeschlossen ist.

Die Beispiele zeigen: Der Menschenrechtsrahmen der FIFA hat die Arbeitsbedingungen rund um die WM stärker in den Fokus gerückt als bei früheren Turnieren. Ob daraus tatsächlich bessere Bedingungen für die Beschäftigten entstehen, wird sich jedoch erst in der Praxis zeigen.

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Wo Milliarden investiert und Millionen Fans erwartet werden, bleiben kritische Stimmen nicht aus.

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Schattenseiten des Fußballfests

Wo Milliarden investiert und Millionen Fans erwartet werden, bleiben kritische Stimmen nicht aus.

  • Menschenrechtsorganisationen verweisen auf mehrere Herausforderungen, die trotz des neuen FIFA-Menschenrechtsrahmens bestehen bleiben. So wird in den USA kritisiert, dass verschärfte Einwanderungskontrollen ausgerechnet jene Arbeitskräfte verunsichern könnten, die in Hotels, Restaurants, Reinigungsdiensten oder auf Baustellen zum Gelingen des Turniers beitragen.
  • Auch die Auswirkungen auf die Gastgeberstädte werden diskutiert. Kritiker warnen davor, dass Großprojekte und steigende Nachfrage nach Wohnraum die Mieten erhöhen und einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen verdrängen könnten.
  • Zudem fordern Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen eine stärkere Kontrolle von Lieferketten und Subunternehmen. Gerade dort seien Arbeitsrechtsverstöße oft schwer nachzuvollziehen, weil die Beschäftigten nicht direkt bei den offiziellen Auftragnehmern angestellt sind. 
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Ein weiteres Thema ist der Hitzeschutz.

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Hitzeschutz und Arbeitssicherheit

Ein weiteres Thema ist der Hitzeschutz. Viele Austragungsorte liegen in Regionen, die im Juni und Juli regelmäßig von hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit betroffen sind. Wissenschaftler warnen, dass dadurch nicht nur Spieler und Fans, sondern auch Beschäftigte im Freien erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein könnten. Besonders Sicherheitskräfte, Reinigungspersonal, Verkehrshelfer und Servicekräfte in Fan-Zonen arbeiten oft über viele Stunden unter schwierigen Bedingungen. Arbeits- und Gesundheitsexperten fordern daher verbindliche Schutzmaßnahmen wie ausreichende Pausen, Schattenplätze, Trinkwasserversorgung und klare Regeln für extreme Hitze.

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Bei aller Kritik erwarten die Gastgeberländer auch deutliche positive Beschäftigungseffekte.

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Wirtschaftlicher Rückenwind

Bei aller Kritik erwarten die Gastgeberländer auch deutliche positive Beschäftigungseffekte. Die FIFA rechnet allein in den USA mit rund 185.000 bis 200.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen, vor allem in Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Transport und Veranstaltungsmanagement. Insgesamt sollen dort etwa 300.000 Menschen direkt oder indirekt am Turnier mitwirken.

Kanada erwartet rund 24.000 neu geschaffene oder gesicherte Arbeitsplätze sowie zusätzliche Einkommen und Steuereinnahmen. Besonders Toronto und Vancouver sehen die WM als Chance, sich international als Wirtschafts- und Tourismusstandorte zu präsentieren.

In Mexiko stehen vor allem Infrastrukturprojekte, Tourismus und regionale Investitionen im Mittelpunkt. Experten rechneten mit Milliardeninvestitionen in Stadien, Verkehr und öffentliche Einrichtungen sowie Tausenden temporären Arbeitsplätzen während der Vorbereitungs- und Turnierphase.

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Ob ein nachhaltiger Fortschritt für die Beschäftigten entsteht, wird sich erst nach dem Turnier beurteilen lassen.

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Fazit:
Die WM 2026 verspricht nicht nur Spannung und Fußballfieber. Sie wird auch zeigen, ob die FIFA ihre Zusagen zu besseren Arbeitsbedingungen, mehr Transparenz und einer wirksameren Kontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette tatsächlich einlösen kann. Ob daraus ein nachhaltiger Fortschritt für die Beschäftigten entsteht, wird sich erst nach dem Turnier beurteilen lassen.

Unabhängig davon leisten Fußball-Weltmeisterschaften seit Jahrzehnten etwas, das sich kaum in Statistiken erfassen lässt: Sie bringen Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen. Gerade in einer Zeit, die von Krisen und Konflikten geprägt ist, schaffen sie gemeinsame Erlebnisse, Begegnungen und für einige Wochen eine positive Ablenkung vom Alltag.

Damit das überhaupt möglich wird, arbeiten Hunderttausende Menschen hinter den Kulissen. Ihnen gebührt am Ende vielleicht der größte Dank. Denn ohne ihren Einsatz gäbe es weder Anpfiff noch Fußballspaß. (sw)

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