Die Geschichte der kleinen Bildsymbole
Vorläufer der Emojis waren die Emoticons der 1980er-Jahre, etwa :-) oder :-(, die Gefühle in Texten sichtbar machen sollten.
Die eigentlichen Emojis stammen aus Japan. Ende der 1990er-Jahre entwickelte der Designer Shigetaka Kurita ein Set aus 176 kleinen Bildsymbolen für einen Mobilfunkanbieter. Die Idee: Gefühle und Informationen schneller und emotionaler vermitteln.
Mit Smartphones begann schließlich der weltweite Siegeszug. Vor allem durch Apple und soziale Netzwerke wurden Emojis international populär. Heute gibt es Tausende davon. Welche offiziell erscheinen, entscheidet das “Unicode Consortium”.
Seit Home-Office und hybrider Arbeit gehören Emojis für viele ganz selbstverständlich zur digitalen Kommunikation dazu.
Emojis zwischen Nähe und Missverständnis
Spätestens seit Home-Office und hybrider Arbeit gehören Emojis für viele ganz selbstverständlich zur digitalen Kommunikation dazu. Vor allem in Chats über Microsoft Teams oder Slack ersetzen sie inzwischen häufig das, was im direkten Gespräch ganz automatisch passiert: ein kurzes Lächeln, ein Nicken oder eine spontane Reaktion im Vorbeigehen.
Während der Pandemie wurden Emojis in Teams- und Slack-Chats immer häufiger genutzt. Reaktionen wie ❤️ oder 👍 halfen vielen Beschäftigten dabei, Zustimmung, Dank oder Wertschätzung schnell sichtbar zu machen. Microsoft beschrieb Emojis in diesem Zusammenhang sogar als eine Art „digitale Körpersprache“.
Auch andere Untersuchungen bestätigen diesen Wandel. Eine Studie von Slack und Duolingo aus dem Jahr 2022 ergab, dass 60 Prozent der deutschen Beschäftigten Emojis im Austausch mit Kollegen nutzen. 61 Prozent gaben außerdem an, dass Nachrichten ohne Emojis oft kühl oder unvollständig wirken. Gleichzeitig berichteten viele Befragte von Missverständnissen, besonders zwischen unterschiedlichen Generationen.
Auch die Hult International Business School kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2022 deutet darauf hin, dass Emojis in Teamchats heute weitgehend akzeptiert sind, während sie in klassischen E-Mails [SW1.1]deutlich kritischer wahrgenommen werden.
Studien zeigen, dass Emojis zwar Sympathie, Teamgefühl und Nähe fördern können, Menschen dadurch gleichzeitig aber manchmal weniger professionell oder kompetent wirken.
Wenn Emojis plötzlich falsch verstanden werden
Genau darin liegt allerdings auch ein Widerspruch. Studien zeigen, dass Emojis zwar Sympathie, Teamgefühl und Nähe fördern können, Menschen dadurch gleichzeitig aber manchmal weniger professionell oder kompetent wirken. Besonders sensibel wird es bei Konflikten, Kritik oder formeller Kommunikation, in denen Emojis schnell missverstanden oder als unpassend wahrgenommen werden.
Zum Beispiel schreibt ein Vorgesetzter nach einem stressigen Projekt: „Das müssen wir nächste Woche dringend besser hinbekommen.“ Der Mitarbeiter antwortet nur mit einem 😂. Vielleicht dachte er, der Chef macht einen lockeren Scherz. Vielleicht lacht er auch einfach nur über seinen völlig überfüllten Terminplan. Wie die Antwort beim Chef ankommt, kann man sich allerdings vorstellen.
Die Wirkung von Emojis hängt offenbar nicht nur vom Symbol selbst ab. Auch Alter, Unternehmenskultur und sogar Geschlechterrollen beeinflussen, wie Nachrichten wahrgenommen werden. Eine Studie der University of Ottawa (2026 veröffentlicht) zeigte beispielsweise, dass Frauen negative Emoji-Nachrichten anderer Frauen teilweise strenger bewerteten als vergleichbare Nachrichten von Männern.
Generell ist ein gutes Beispiel der inzwischen fast berüchtigte Daumen-hoch-Emoji 👍. Für manche bedeutet er schlicht „Passt“, „Erledigt“ oder „Danke“. Andere empfinden dieselbe Reaktion dagegen als kurz angebunden, genervt, distanziert oder sogar passiv-aggressiv. Gerade jüngere Beschäftigte interpretieren knappe Emoji-Reaktionen häufiger negativ.
Auch in der Betriebsratsarbeit können Emojis unterstützend wirken.
Handlungsempfehlung für Betriebsräte
Auch in der Betriebsratsarbeit können Emojis unterstützend wirken. Denn Ihr Amt als Betriebsrat lebt von Nähe und Vertrauen. Aber Achtung: Nicht jeder versteht Emojis gleich. Deshalb sollten Sie die kleinen Bildchen bewusst und situationsabhängig einzusetzen.
Sinnvoll können Emojis sein bei:
- lockeren Teamsnachrichten
- kurzen Rückmeldungen
- Dank oder Wertschätzung
- Einladungen, Aktionen oder informellen Posts
Eher zurückhaltend sollten Sie dagegen sein bei:
- Konflikten oder Kritik
- sensiblen Mitarbeiteranliegen
- rechtlichen oder formellen Themen
- offiziellen Stellungnahmen, Verhandlungen oder Nachrichten an den Arbeitgeber
Wichtig ist außerdem: Weniger ist oft mehr. Ein einzelnes passendes Emoji kann eine Nachricht freundlicher wirken lassen. Zu viele oder missverständliche Symbole können dagegen schnell unprofessionell oder unklar wirken.
Fazit: Betriebsratsarbeit lebt von guter Kommunikation und dazu gehören nicht nur Informationen, sondern auch Persönlichkeit, Nähe und der richtige Ton. Emojis können dabei helfen. Entscheidend ist aber weniger das kleine Symbol am Satzende als das Gefühl, das beim Gegenüber ankommt. Denn oft sind es nicht Emojis allein, die Kommunikation gelungen machen, sondern Respekt, Wertschätzung, Humor und ein gutes Gespür für die Situation. Oder anders gesagt: Ein 🙂 ersetzt kein gutes Miteinander, kann es aber manchmal ein kleines Stück sichtbarer machen. (sw)