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Von der Platte ins Betriebsratsbüro

Flughafen Leipzig/Halle – Betriebsratsvorsitzender Rico Stephani im Interview

Die Betriebsratswahl am Flughafen Leipzig/Halle im April 2022 veränderte das Leben von Rico Stephani grundlegend. Der 43-Jährige wurde nicht nur in den Betriebsrat, sondern direkt zum freigestellten Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Damit gehört Schichtarbeit auf der „Platte“ zumindest für die nächsten vier Jahre der Vergangenheit an. Im Interview berichtet Rico Stephani über anfängliche Schwierigkeiten, wer ihn unterstützt und wie die Momente unmittelbar nach der BRV-Wahl verliefen.

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Redaktion

Stand:  10.10.2022
Lesezeit:  04:00 min
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Flughafen Leipzig/Halle – Betriebsratsvorsitzender Rico Stephani im Interview  | © AdobeStock | Mario Hagen

© AdobeStock | Mario Hagen

BRV Rico Stephani | © Rico Stephani

Zur Person

Rico Stephani ist im April 2022 erstmals in den Betriebsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG) und sogleich zum freigestellten Betriebsratsvorsitzenden gewählt worden. Der Betriebsrat der MFAG besteht aus insgesamt 13 Personen, die sich um die Belange der gut 1.000 Mitarbeiter kümmern. Stephani ist seit 2009 am Flughafen beschäftigt, zuletzt als Oberlader. Davor war er zwölf Jahre bei der Bundeswehr.

Rico, Du wurdest im April zum Gesamtbetriebsratsvorsitzenden des Flughafens Leipzig/Halle (LEJ) gewählt. Was waren zuvor Deine Aufgaben?
Rico Stephani:
Davor war ich 13 Jahre bei der PortGround GmbH am Flughafen Leipzig/Halle beschäftigt. Nach zwölf Jahren Bundeswehr habe ich 2009 als Flugzeugabfertiger hier angefangen – auch Lader genannt. Durch Weiterbildungen war ich zum Schluss Oberlader in der Flugzeugabfertigung. Das beinhaltet bei uns den Job als sogenannter Ramp Agent bei Passagierfliegern und als Supervisor bei Frachtfliegern. Ich war verantwortlich für ein Flugzeug auf seiner Parkposition auf der Platte, also dem Vorfeld, inklusive Koordination der Tätigkeiten am Flugzeug, Kommunikation mit Crew und Kabine sowie Dokumentation.

Bei über 1.000 Mitarbeitern bin ich sehr froh, dass wir uns für zwei zusätzliche Freistellungen entschieden haben.

Wie ist der Betriebsrat am LEJ strukturiert?
Rico Stephani:
Unser Betriebsrat besteht aus 13 Mitgliedern, darunter zwei Frauen, die aus fast allen Bereichen des Flughafens kommen: Feuerwehr, technischer Bereich, Verwaltung, Abfertigung. Bei über 1.000 Mitarbeitern bin ich sehr froh, dass wir uns neben meiner für zwei zusätzliche Freistellungen entschieden haben. Die beiden unterstützten mich wunderbar, da viele Termine parallel stattfinden. Und so ist das BR-Büro trotzdem fast immer zu erreichen.

Erstmals im Betriebsrat und dann direkt freigestellter Betriebsratsvorsitzender: Kam das für Dich überraschend?
Rico Stephani:
Ja, auf jeden Fall! Wir hatten eine Listenwahl und die Kollegen baten mich, Platz eins auf der Liste einzunehmen. Der Kollege auf Patz eins der Gewinnerliste hatte schon im Vorfeld auf den Vorsitz verzichtet, da er durch seine Tätigkeit am Flughafen ohnehin schon sehr gut vernetzt ist. Daher wurde ich vorgeschlagen, gewählt und der Nummer-eins-Kandidat der Siegerliste schließlich mein Stellvertreter.

Die ersten Tage nach der Wahl waren sicherlich turbulent …
Rico Stephani:
 (schmunzelt) Das waren die Tage vor Ostern. Von Dienstag auf Mittwoch hatte ich noch Nachtschicht. Mittwochnachmittag bin ich zur konstituierenden Sitzung des Gesamtbetriebsrats gegangen, auf der ich zum Vorsitzenden gewählt wurde. Das erste Telefonat führte ich mit meinem jetzt ehemaligen Vorgesetzen und informierte ihn, dass ich in den nächsten vier Jahren nicht zum Dienst erscheine und somit auch nicht zur Nachtschicht, die in wenigen Stunden für mich begonnen hätte. Dann habe ich meine Frau angerufen und gefragt, was wir am Wochenende machen. Denn ich hatte erstmals seit Jahren Ostern komplett frei, da die Schichtarbeit durch die Freistellung für mich wegfällt.

Was war für Dich die größte Umstellung?
Rico Stephani:
Dass es keine körperlich schwere Arbeit mehr ist, die aber auf der anderen Seite nie beendet ist. Das Flugzeug fliegt los, wenn es abgefertigt wurde. Um das nächste Flugzeug kümmerte sich dann die Spätschicht, wenn ich beispielsweise Frühschicht hatte. Jetzt als Betriebsrat bleiben die Probleme der Kollegen, auch der Büroalltag. Nach drei Wochen Sommerurlaub hatte ich über einhundert E-Mails in meinem Postfach – das kannte ich so nicht.

Ich musste es am Anfang schaffen, Struktur in meine neue Arbeit zu bringen. Auch, was die Arbeitszeit betrifft.

Die größte Herausforderung für Dich als Betriebsrat?
Rico Stephani:
Ich musste es am Anfang schaffen, Struktur in meine neue Arbeit zu bringen. Auch, was die Arbeitszeit betrifft. Oft hätte der Tag 25 Stunden haben können, es kommt aber eben nicht die nächste Schicht, die mich ablöst. Insgesamt war es gleich sehr viel mit der Übernahme des Büros und den ganzen neuen Abläufen. Außerdem war man gleich Ansprechpartner für Kollegen in der Verwaltung und die erste Sitzung musste ebenfalls vorbereitet werden.

Wie können wir uns Deinen Betriebsratsalltag vorstellen?  
Rico Stephani:
Mittlerweile läuft es ganz gut und wird immer besser. In der Früh geht der PC an und die ersten Mails werden beantwortet, während der Kaffee läuft. Dann besprechen wir in einer Runde mit beiden freigestellten Kollegen, unserer Sekretärin und mir den Ablauf des Tages. Es folgen Telefonate, Vorbereitungen für die Mittwochs-Betriebsratssitzung, persönliche Gespräche mit Verantwortlichen und natürlich den Kollegen. Derzeit bereiten wir uns darüber hinaus auf unsere erste Betriebsversammlung vor.

Gibt es etwas, das Du aus Deinem Alltag vor der Wahl zum BRV vermisst?
Rico Stephani:
Ein wenig vermisse ich die kurzen Dienstwege, die ich zuvor hatte. Da kannte ich in meinem Bereich jeden mit Namen und alle relevanten Telefonnummern. Unser BR-Büro befindet sich hingegen im Verwaltungsgebäude des Flughafens und da sind manche Wege sehr lang.

Das Gremium wächst von Sitzung zu Sitzung immer mehr zusammen.

Gerade bei anfänglichen Schwierigkeiten: Was hat Euch geholfen, diese zu bewältigen?
Rico Stephani:
Das Gremium ist zwar neu gewählt, aber es sind auch einige „Alte Hasen“ dabei. Zum Beispiel mein Stellvertreter, einer der Freigestellten und noch ein paar. Wir ergänzen uns sehr gut. So wächst das Gremium von Sitzung zu Sitzung immer mehr zusammen.

Was konntet Ihr seit Amtsantritt bereits auf den Weg bringen?
Rico Stephani:
Wir konnten schon einiges für unsere Kollegen bewirken. Meist bezog sich das bisher auf Einzelfälle oder kleinere Abteilungen. Bald beginnen Verhandlungen zu verschiedenen Betriebsvereinbarungen. Wir möchten die Erstellung der Dienstpläne verbessern und mehr Mitsprache bei einigen Dingen erreichen.

Und wo gibt es Nachholbedarf?
Rico Stephani:
Manchmal ist es für uns als Gremium schwierig nachzuvollziehen, was der Arbeitgeber mit dem einen oder anderen Antrag erreichen will. Die Mitteldeutsche Flughafen AG soll in großen Teilen umstrukturiert werden. Dabei darf natürlich kein Kollege auf der Strecke bleiben oder benachteiligt werden. Das zu filtern, ist oft nicht einfach.

Wir versuchen, unsere Arbeit hier und jetzt richtig zu machen.

Ganz direkt gefragt: Macht Dir die Arbeit als Betriebsratsvorsitzender Spaß?
Rico Stephani:
Die Betriebsratsarbeit macht von Woche zu Woche mehr Spaß. Einfach, weil ich die Wege inzwischen kenne, mich mit meinem PC immer besser auskenne und auch als Person bekannter geworden bin. Man erkennt mich und spricht mich an. Das ist spannend, weil ich durch die Betriebsratstätigkeit einen Einblick in die Arbeit eines Flughafens mit all seinen vielen Berufen, Abteilungen und Menschen bekomme. Es ist ähnlich wie bei der Bundeswehr früher: Nur bin ich jetzt nicht mehr der Zugführer, sondern der Kasernenfeldwebel. (lacht)

Bereitet man sich gedanklich schon auf die Zeit „danach“ vor?
Rico Stephani:
Ab und zu flachsen wir darüber, was in vier Jahren sein wird. Aber das ist noch weit entfernt und wir versuchen, unsere Arbeit hier und jetzt richtig zu machen. (tis)

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