„Hart in der Sache, weich zur Person“

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Stand:  1.6.2026
Lesezeit:  04:15 min
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Nach 26 Jahren im Betriebsrat – davon 18 als Vorsitzender – zieht Thomas Hubert Bilanz

Er hat schwierige Zeiten mitgemacht, Konflikte erlebt und Veränderungen begleitet: Thomas Hubert war mehr als zwei Jahrzehnte eine prägende Figur im Betriebsrat des ifb. Im Gespräch blickt er zurück, spricht über Veränderungen in der Arbeit, persönliche Erfahrungen und gibt allen neu zusammengesetzten Gremien klare Empfehlungen mit auf den Weg. 

Thomas, Du warst viele Jahre im Betriebsrat – was wird Dir am meisten fehlen?

Thomas Hubert: Die Möglichkeit, viele Dinge mitzubekommen, die man auf dem „normalen“ Arbeitsplatz so gar nicht erfährt: Einblicke, Hintergründe, Informationen. Und vor allem dieses aktive Mitgestalten. Nicht nur zuzusehen, wie sich etwas verändert, sondern Einfluss nehmen zu können, Dinge anzustoßen, Menschen persönlich zu unterstützen. Gerade wenn es schwierig wurde – für einzelne Mitarbeiter oder das ganze Unternehmen – und ich in der Rolle als Betriebsrat oder persönlich helfen konnte, war das schon etwas sehr Befriedigendes. 

Wenn Du zurückblickst: Würdest Du heute etwas anders machen?  

Thomas Hubert: Ich würde es nicht so formulieren, dass ich etwas grundsätzlich anders machen würde. Natürlich gibt es Situationen, bei denen ein anderer Weg vielleicht schneller gewesen wäre oder zu einem anderen Ergebnis geführt hätte. Aber ich bereue wenig! Die Erfahrungen, auch mit ganz unterschiedlichen Gremien und Persönlichkeiten, waren insgesamt sehr bereichernd. Klar, mit 26 Jahren Routine würde ich den Job heute etwas anders angehen, aber das ist ja normal. Für mich zählt die Wahrheit der Situation: Du triffst Entscheidungen immer auf Basis dessen, was du zu dem Zeitpunkt weißt und kannst.

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Mir war es dabei immer wichtiger, ein für unsere Mitarbeiter gutes Ergebnis zu erreichen, als mich selbst in den Vordergrund zu stellen.

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Gibt es etwas, auf das Du besonders stolz bist?

Thomas Hubert: Ich glaube, wir haben als Betriebsrat immer wieder innovative Dinge umgesetzt. Betriebsvereinbarungen, von denen selbst unsere Anwältin gesagt hat, dass sie ungewöhnlich gut oder besonders sind. Wir haben viel erreicht, weil wir auch in schwierigen Situationen ein konstruktives Miteinander mit unserem Arbeitgeber gefunden haben. Dieses Prinzip „hart in der Sache, weich zur Person“ war für mich zentral. Also klar in der Position und den Interessen, aber respektvoll im Umgang. Damit haben wir oft bessere Ergebnisse erzielt, als wenn wir nur auf Konfrontation aus gewesen wären. Mir war es dabei immer wichtiger, ein für unsere Mitarbeiter gutes Ergebnis zu erreichen, als mich selbst in den Vordergrund zu stellen. 

Wie hat sich denn die Betriebsratsarbeit in den letzten Jahrzehnten beim ifb verändert?

Thomas Hubert: Allein die Entwicklung des Unternehmens – von einem kleinen Team zu einem großen Unternehmen – verändert natürlich viel: die Atmosphäre, das Miteinander und damit auch die Betriebsratsarbeit. Was definitiv zugenommen hat, ist die Komplexität. Anforderungen, Wissen und Tempo sind anspruchsvoller geworden. Dadurch hat sich mein zeitlicher Einsatz massiv verändert. Am Anfang machte die Betriebsratsarbeit vielleicht zehn oder 20 Prozent meiner Arbeitszeit aus, später waren es eher 80, in manchen Phasen sogar 100 Prozent. Das zeigt schon, wie stark die Anforderungen gestiegen sind.

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Ich finde es essenziell, eine gewisse Demut zu behalten …

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Das Amt hat Dich also persönlich geprägt …

Thomas Hubert: Ja, natürlich. Es hat mir die Möglichkeit gegeben, Dinge stärker zu gestalten als im normalen Job. Und man bekommt als BRV viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung, das darf man nicht unterschätzen. Gleichzeitig ist genau das eine Herausforderung: Sich nicht zu wichtig zu nehmen. Ich finde es essenziell, eine gewisse Demut zu behalten und sich bewusst zu machen, dass vieles mit der Rolle zu tun hat und weniger mit der eigenen Person. 

War es schwierig, jetzt loszulassen?

Thomas Hubert: Ja und nein! Es gibt Dinge, die ich vermissen werde: die Informationen, die Kontakte, auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Auf der anderen Seite gewinne ich etwas zurück. Ich kann mich wieder stärker auf meinen eigentlichen Job konzentrieren und den mache ich sehr gerne. Das war in den letzten Jahren oft schwierig, weil die Betriebsratsarbeit viel Raum eingenommen hat.

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Wir haben die Übergabe diesmal sehr strukturiert vorbereitet.

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Zur Übergabe an das neue Gremium: Wie lief die bei Euch?  

Thomas Hubert: Wir haben das diesmal sehr strukturiert vorbereitet. Jeder hat seinen Bereich aufbereitet, Zuständigkeiten klar gemacht und Informationen gesammelt. So sind Übersichten, Ansprechpartner und Ablagen entstanden, sodass sich das neue Gremium schnell orientieren kann. Und natürlich stehen wir als ehemalige Mitglieder weiterhin zur Verfügung. Das war bei uns eigentlich immer so, die Erfahrung geht ja nicht verloren. 

Was werden Deiner Meinung nach die großen Themen für Betriebsräte in den nächsten Jahren sein?

Thomas Hubert: Psychische Belastung und Arbeitsverdichtung werden weiter zunehmen. Das sehen wir schon lange, aber es wird noch stärker werden. Dazu kommt das Thema Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die Arbeit. Und gesellschaftliche Themen wie Altersarmut oder steigende Lebenshaltungskosten – Stichwort: Mieten! – werden stärker in die Betriebe wirken. Insgesamt wird das Tempo weiter steigen und damit auch der Druck, sich zu verändern und ständig dazuzulernen.

Welchen Rat gibst Du denn Deinem Nachfolgegremium – und eigentlich allen neuen Gremien hierzulande – mit auf den Weg?

Thomas Hubert: Den „alten Hasen“ würde ich sagen: Habt Geduld mit den Neuen! Jeder startet mit viel Motivation, allerdings auch mit Vorstellungen, die nicht immer realistisch sind. Das gehört dazu. Jede und jeder sollte sich daran erinnert, dass man selbst ähnlich angefangen hat. Und den Neuen würde ich sagen: Nutzt die Erfahrung der anderen, informiert euch gut über eure Möglichkeiten und bleibt offen für Neues. Es gibt viel Raum für Engagement und Veränderungen, wichtig ist nur, sich nicht entmutigen zu lassen! 

Und ganz persönlich: Wie geht es für Dich weiter?

Thomas Hubert: Im Grunde geht es genauso weiter wie bisher, nur ohne Betriebsratsvorsitz. Ich werde wieder mehr Zeit in meinen eigentlichen Job einbringen können. Und vielleicht zwischendurch mal ein bisschen öfter aus dem Fenster schauen und an Blumen riechen. (tis)

Thomas Hubert

Diplom-Psychologe und ifb-Bildungsreferent

Thomas Hubert war seit 2000 durchgehend Mitglied des Betriebsrats beim ifb. Über 18 Jahre hinweg leitete er das Gremium als Vorsitzender. In dieser Zeit prägte er die Arbeit maßgeblich, unter anderem durch einen klaren Fokus auf konstruktive Zusammenarbeit und innovative Lösungen. Abseits des Betriebsratsamtes ist Thomas beim ifb Bildungsreferent im Fachbereich Kommunikation und für die Themen rund um Konflikte verantwortlich.

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