„Eine der besten Entscheidungen meines Lebens“

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Stand:  21.11.2025
Lesezeit:  02:15 min
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Warum Positive Psychologie eine wertvolle Stütze im Job sein kann

Positive Psychologie, das ist ein Thema für Interessenvertreter, sagt die stellvertretende Betriebsrätin Maria Dehmer. Denn für die Beratung seien Konzepte aus der Positiven Psychologie hilfreich: Beschäftigte können besser mit schwierigen Situationen oder negativen Emotionen umgehen und lernen, auch an schlechten Tagen nach vorne zu schauen.  

Maria Dehmer | © Betriebsrat_TransnetBW_Maria_Dehmer_Fotografin_L.Parsyak

Maria Dehmer

Maria Dehmer ist studierte Historikerin und Slavistin (M.A.) und seit mehr als 25 Jahren als Kommunikationsmanagerin tätig. Seit 2018 ist sie Mitglied im Betriebsrat von TransnetBW, dort stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und seit 2023 auch Mitglied im Aufsichtsrat. Sich beim Thema „Positive Psychologie“ weiterzubilden war eine der besten Entscheidungen ihres Lebens, sagt sie.

Frau Dehmer, immer wieder liest man von „Positiver Psychologie“ – wie sind Sie darauf gestoßen, was war der Auslöser?

Maria Dehmer: Das erste Mal auf das Thema gestoßen bin ich durch ein Interview mit Dr. Daniela Blickhan in einer Zeitschrift, das mich sehr begeistert hat. Sie hat gemeinsam mit Prof. Dr. Judith Mangelsdorf die Positive Psychologie in Deutschland etabliert. 
Wegen einer beruflich schwierigen Situation habe ich dann ein Jahr später die Grundausbildung in Positiver Psychologie beim Inntal Institut in Bad Aibling gebucht, um wieder Kraft zu schöpfen. Das war 2021 – und eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Inzwischen bin ich in der dritten Ausbildungsstufe. Die Positive Psychologie ist zu einem Lebensthema geworden.

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Positive Psychologie ist die Wissenschaft vom gelingenden Leben.

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Was genau ist denn Positive Psychologie, womit befasst sie sich?

Maria Dehmer: Positive Psychologie ist die Wissenschaft vom gelingenden Leben. Sie befasst sich damit, wie Menschen wachsen und sich entwickeln können, auch unter widrigen Umständen. Sie ist die jüngste Disziplin der psychologischen Wissenschaften – immerhin auch schon gut 25 Jahre alt. Während zum Beispiel die klinische Psychologie sich mit dem Heilen von Menschen befasst, ist das Thema der Positiven Psychologie Wachstum und Entwicklung.

Sie sind selbst Betriebsrätin – gibt es Schnittstellen zu Ihrem Betriebsratsamt?

Maria Dehmer: Im Betriebsratsamt begegnen uns viele Themen, die mit Wachstum und Entwicklung zu tun haben, z.B. Weiterbildungs- und Gehaltsfragen oder die individuelle Situation am Arbeitsplatz. Für diese Beratung können Konzepte aus der Positiven Psychologie hilfreich sein.
Außerdem hat das Amt mit intrinsischer Motivation zu tun. Ich kann meine Belegschaft nur vertreten, wenn ich weiß, was ich gut kann, wenn ich eine klare entwicklungsbasierte Haltung habe, resilient und achtsam bin und Sinn bei meiner Arbeit empfinde. Ich arbeite als Betriebsrätin sehr selbstgesteuert und kann eine Wahl treffen, für welche Themen ich mich besonders engagiere. Das alles sind Themen aus der Positiven Psychologie: Motivation, Sinn, Werte, Resilienz, Growth Mindset, Achtsamkeit, Stärken, Job Crafting. In meiner Rolle als stellvertretende Vorsitzende kommt noch das Thema Positive Leadership hinzu – Menschen stärken- und entwicklungsbasiert führen. 

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Sie kann bewirken, dass sich Menschen entfalten und aufblühen, dass sie Sinn in ihrer Arbeit finden und auf ihre Ressourcen achten.

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Und die Beschäftigten? Was kann Positive Psychologie bei der Belegschaft bewirken?

Maria Dehmer: Sie kann bewirken, dass sich Menschen entfalten und aufblühen, dass sie Sinn in ihrer Arbeit finden und auf ihre Ressourcen achten. Das wirkt sich positiv auf ihre Gesundheit und ihre Leistungsfähigkeit aus. Sie können besser mit schwierigen Situationen oder negativen Emotionen umgehen und lernen, auch an schlechten Tagen nach vorne zu schauen. Ihnen fällt der Arbeitsalltag leichter. Sie kommen öfter in den Flow und bringen konstanter gute Leistungen. Sie wissen, was sie können und wo sie ihre Fähigkeiten einsetzen können. Sie kennen ihre inneren Ressourcen und sind in der Lage, Grenzen zu setzen. 

Welchen Platz hat die Positive Psychologie bei Ihnen im Unternehmen? Ist sie ein Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements oder der Unternehmenskultur?

Maria Dehmer: Weder noch. Die Positive Psychologie kommt über Einzelpersonen wie mich im Unternehmen an. Sie ist nicht verankert bei uns. Doch beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Psychologischer Sicherheit in der Organisationsentwicklung – das ist ein Thema, das zur Positiven Psychologie gezählt wird. 

Was tun als Betriebsrat, wenn die Kollegen skeptisch sind?

Maria Dehmer: Das Wort „positiv“ löst offenbar Vorbehalte und Vorurteile in einigen Köpfen aus. Deshalb beschreibe ich gerne, was Positive Psychologie kann, ohne sie konkret so zu benennen. Ich fokussiere mich auf die Themen der Positiven Psychologie und wie sie ins Unternehmen hineinwirken können. Wenn diese Wirkung erkannt ist, kann ich das dahinterstehende wissenschaftliche Konstrukt erläutern. Es hängt natürlich auch sehr stark davon ab, mit welcher Zielgruppe ich Themen der Positiven Psychologie bearbeite. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind da sehr offen und neugierig.

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Wenn Positive Psychologie tief ins Unternehmen hineinwirken soll, geht es nur mit den Führungskräften.

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Welche Rolle spielt die Haltung der Führungskräfte, ist ihre Unterstützung entscheidend für den Erfolg?

Maria Dehmer: Ja, wenn Positive Psychologie tief ins Unternehmen hineinwirken soll, geht es nur mit den Führungskräften. Sie sind der Orientierungspunkt für ihre Mitarbeitenden. Hat ein Unternehmen den Anspruch, Positive Psychologie in den Köpfen der Belegschaft gesamthaft zu verankern, sollten das allerdings nicht nur über die Führungskräfte, sondern auch die über die Personal- und Organisationsentwicklung gestützt werden. Ich persönlich habe diesen Anspruch nicht: Für mich ist Positive Psychologie eine wertvolle Stütze in meiner direkten Arbeit mit Kolleginnen und Kollegen. Sie bietet gute Übungen, um gesund und motiviert arbeiten zu können.

Stärkenschatzkiste

Stärkenschatzkiste | © Maria Dehmer

Für die Stärkenarbeit hat Maria Dehmer ein eigenes Kartenset entwickelt und illustriert, das sie als Betriebsrätin in Beratung, Training und Coaching im Unternehmen einsetzt. Foto: privat

Haben Sie Tipps für kleine Übungen, die im Alltag leicht umsetzbar sind? 

Maria Dehmer: Die ersten, die mir spontan einfallen: 

  • Dankbarkeit zeigen: Ich danke dir für deine Unterstützung. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft.
  • Sich fragen: Wer sind die Menschen, die mich in meinem Arbeitsalltag energetisieren? Und sich dann mehr mit diesen Menschen umgeben.
  • Stärken stärken, statt den Fokus auf Schwächen und Fehler zu legen. Und zu einer Stärke von anderen auch mal Rückmeldung geben, sich zu eigenen Stärken Rückmeldung geben lassen.
  • Achtsam mit seinen Ressourcen umgehen und z. B. regelmäßig Pausen planen, einen „Pleasure Walk“ (einen achtsamen Spaziergang) machen oder auch mal einen Tag Überstunden abfeiern und einen Miniurlaub planen. (sw)

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