Warum gute Kandidaten nicht vom Himmel fallen?

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Stand:  5.6.2026
Lesezeit:  04:00 min
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Tipps zur Kandidatensuche und Vorbereitung auf die SBV-Wah

Kandidaten für das Amt der Schwerbehindertenvertretung oder der SBV-Stellvertretung zu finden, ist nicht immer einfach. Was sollten interessierte Kollegen mitbringen? Und was können Sie als amtierende SBV tun, um geeignete Nachfolger zu finden? Ralf Richter beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Kandidatensuche und verrät, was in der Praxis oft am besten funktioniert.

Das Interview führte Gisela Scholz

Ralf Richter

Ralf Richter

ifb-Bildungsreferent

Ralf Richter ist seit einigen Jahren als Bildungsreferent und Kommunikationstrainer beim ifb tätig.

Ralf, warum ist die kommende SBV-Wahl aus Deiner Sicht so wichtig?

Ralf Richter: Die Schwerbehindertenvertretung ist oft die erste Anlaufstelle für Menschen, die Unterstützung brauchen. Gerade in Zeiten von Veränderung, Arbeitsverdichtung und Unsicherheit ist das wichtiger denn je. Eine engagierte SBV kann Orientierung geben, Gespräche ermöglichen und Themen sichtbar machen, die sonst schnell untergehen würden. Deshalb geht es bei der Wahl nicht nur darum, „jemanden zu finden“, der kandidiert. Es geht darum, Menschen zu gewinnen, die Verantwortung übernehmen möchten – und die bereit sind, sich für andere einzusetzen.

Viele hoffen darauf, dass sich Kandidaten von selbst melden. Warum reicht das oft nicht aus?

Ralf Richter: Weil Kandidaten selten einfach plötzlich vor der Tür stehen und sagen: „Hier bin ich.“ Viele geeignete Personen zweifeln zunächst an sich selbst. Sie denken: „Kann ich das überhaupt?“, „Habe ich genug Zeit?“ oder „Bin ich dafür der richtige Typ?“ Deshalb braucht Kandidatensuche aktive Ansprache. Menschen kandidieren häufig nicht wegen eines Aushangs oder einer Mail – sondern weil jemand sie persönlich anspricht und ihnen zutraut, diese Aufgabe gut zu machen. Das ist übrigens kein Zeichen von Schwäche, sondern eher von Verantwortungsgefühl. Gerade die Menschen, die sorgfältig überlegen, ob sie kandidieren sollen, bringen oft sehr gute Voraussetzungen mit.

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Gerade die Menschen, die sorgfältig überlegen, ob sie kandidieren sollen, bringen oft sehr gute Voraussetzungen mit.

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Was macht aus Deiner Sicht einen guten Kandidaten aus?

Ralf Richter: Perfekt muss niemand sein. Wichtig sind eher drei Dinge: Interesse an Menschen, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zuzuhören.
Viele glauben, man müsse sofort alle Gesetze auswendig kennen oder rhetorisch perfekt auftreten können. Das ist nicht der Punkt. Vieles kann man lernen. Entscheidend ist die Haltung: Will ich mich kümmern? Bin ich bereit, Verantwortung zu übernehmen? Und kann ich mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch kommen? Gleichzeitig wird es immer wichtiger, dass sich Kandidaten bewusst positionieren. Also nicht nur zu sagen: „Ich kandidiere“, sondern auch deutlich zu machen: „Wofür stehe ich eigentlich?“ Welche Themen sind mir wichtig? Wie möchte ich mit Menschen umgehen? Was sollen Kolleginnen und Kollegen von mir erwarten dürfen? Diese Klarheit hilft nicht nur den Wählern, sondern auch den Kandidaten selbst. Wer weiß, warum er kandidiert, tritt oft glaubwürdiger und sicherer auf.

Was würdest Du Schwerbehindertenvertretern empfehlen, die gerade überlegen, wie sie Kandidaten gewinnen können?

Ralf Richter: Nicht zu spät anfangen – und die persönliche Ansprache suchen. Die besten Gespräche entstehen selten zwischen Tür und Angel. Es hilft, frühzeitig zu überlegen: Wer bringt Ruhe mit? Wer wird im Kollegenkreis ernst genommen? Wer kann gut vermitteln? Und dann sollte man diese Menschen gezielt ansprechen. Nicht mit Druck, sondern mit einer ehrlichen Rückmeldung: „Ich könnte mir vorstellen, dass das gut zu dir passt.“ Ein wichtiger Punkt ist außerdem, deutlich zu machen, dass niemand allein gelassen wird. Viele trauen sich eher, wenn sie wissen, dass es Unterstützung, Schulungen und Austausch gibt.

Manche potenziellen Kandidaten sagen: „Ich bin nicht der Typ dafür.“ Was entgegnest Du?

Ralf Richter: Die Frage ist: Was ist denn „der Typ dafür“? Oft stellen wir uns sehr extrovertierte Menschen vor, die sofort große Reden halten können. Aber gute Interessenvertretung funktioniert häufig ganz anders: aufmerksam zuhören, ruhig bleiben, Vertrauen aufbauen, dranbleiben. Es gibt nicht den einen Persönlichkeitstyp für dieses Ehrenamt.

Hast Du einen praktischen Tipp für die Kandidatensuche?

Ralf Richter: Ja: Nicht allgemein fragen: „Wer möchte kandidieren?“ Das führt oft zu Schweigen. Besser ist es, konkret auf einzelne Personen zuzugehen und dabei auch zu sagen, warum man gerade sie anspricht. Also nicht nur: „Kannst du dir das vorstellen?“, sondern zum Beispiel: „Du kannst gut mit Menschen umgehen“ oder „Du bleibst auch in schwierigen Situationen ruhig.“ Menschen brauchen manchmal einen kleinen Impuls von außen, um sich etwas zuzutrauen.

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Besser ist es, konkret auf einzelne Personen zuzugehen und dabei auch zu sagen, warum man gerade sie anspricht.

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Und warum ist die Vorbereitung auf die Kandidatur so wichtig?

Ralf Richter: Weil Sicherheit entsteht, wenn man weiß, was auf einen zukommt. Viele Unsicherheiten verschwinden, sobald man die Aufgaben, Abläufe und Möglichkeiten besser kennt. Außerdem hilft Vorbereitung dabei, die eigene Rolle klarer zu sehen und sich bewusst zu positionieren: Wofür möchte ich stehen? Welche Themen sind mir wichtig? Wie möchte ich wahrgenommen werden? Und wie komme ich mit Kolleginnen und Kollegen darüber ins Gespräch? Denn Beschäftigte wählen nicht nur Namen auf einer Liste. Sie möchten erkennen können, welche Haltung, welche Schwerpunkte und welche Verlässlichkeit jemand mitbringt.

Hast Du einen persönlichen Wunsch für die kommende SBV-Wahl?

Ralf Richter: Dass sich Menschen trauen, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn sie noch nicht alles können. Und dass bestehende SBVen den Mut haben, aktiv auf mögliche Kandidaten zuzugehen, statt darauf zu warten, dass sich jemand meldet. Denn gute Interessenvertretung beginnt oft mit einem einzigen Satz: „Ich glaube, du wärst dafür genau richtig.“

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