„Lieber auf dem Fahrersitz“

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Stand:  19.1.2026
Lesezeit:  03:30 min
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Ein Wahlvorstand berichtet über Motivation, Herausforderungen und Organisation der Betriebsratswahl

Christopher Hahn lebt in Nordrhein-Westfalen, der Firmensitz liegt in Oberbayern. Dennoch koordiniert der 53-jährige Seminarbetreuer als Wahlvorstand die Betriebsratswahl 2026 im ifb mit. Im Interview spricht er über Respekt vor dem Amt, hybride Organisation, die Informationsflut und wie wichtig Neutralität für Wahlvorstände ist. 

Christopher, vor was hattest Du als Wahlvorstand den größten Respekt?

Christopher Hahn: Nun ja, da ich die Ordner der Wahlseminare kenne, war es schon die Menge des Inhalts. Aber das ist mir durch unseren Referenten beim Seminar schnell genommen worden – er hat gesagt: „Macht euch keine Sorgen!“ Und so war es dann auch. 

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Meiner Meinung nach sollten die, die nicht wenigstens versuchen sich zu beteiligen, auch nicht meckern.

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Warum genau hast Du Dich als Wahlvorstand aufstellen lassen?

Christopher Hahn: Ich sitze einfach immer lieber auf dem Fahrersitz, als mich kutschieren zu lassen. Ich finde das Thema spannend, entscheide und beteilige mich gerne. Meiner Meinung nach sollten die, die nicht wenigstens versuchen sich zu beteiligen, auch nicht meckern. Und dann kam der Aufruf, dass Leute für den Wahlvorstand gesucht werden. Als Düsseldorfer bin ich zunächst überhaupt nicht davon ausgegangen, dass ich nur irgendwie in Betracht käme. Irgendwann kam dann allerdings die Frage, ob ich sogar Lust hätte, den Vorsitz zu übernehmen. Dann habe ich erst noch mit meinen Kollegen in Seehausen gesprochen, da ich nicht wusste, wie viele Stunden ich dafür aufwenden muss und gegebenenfalls für ganze Seminarwochen ausfalle. Aber alle, auch die Vorgesetzten, haben gesagt: „Mach dir keine Sorgen, uns freut es, wenn du es machst.“

Die ifb-Zentrale ist im oberbayerischen Seehausen am Staffelsee, Du lebst in Nordrhein-Westfalen. Wie funktioniert das angesichts der räumlichen Distanz?  

Christopher Hahn: Für unsere gemeinsame Inhouse-Schulung war ich natürlich anwesend und es folgen noch drei, vier Termine, an denen ich vor Ort sein werde. Etwa, wenn wir den Wahlaushang machen. Zudem werde ich da sein, wenn die Frist für die Einreichung der Listen oder Wahlvorschläge läuft. Dann nochmal, wenn die Briefwahlunterlagen für den Versand zusammengestellt werden. Und am Ende natürlich zur Wahl selbst. Das sind jetzt mal die Termine, die geplant sind. Aber das Meiste klappt wunderbar hybrid, zumal ich auch von den Kolleginnen im Wahlvorstand großartig unterstützt werde. Ob noch ein weiterer Termin zwischendurch kommt, weiß ich natürlich nicht. 

Engagiert: Christopher Hahn ist erstmals Wahlvorstand

Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich als Wahlvorstand?

Christopher Hahn: Das große Informationsbedürfnis aufzufangen; insbesondere, weil etwa die Hälfte unserer Mitarbeitenden über ganz Deutschland verteilt beschäftigt ist. Deswegen haben wir frühzeitig eine ausführliche Mail mit allerhand Informationen und Formularen verschickt. Darüber hinaus haben wir einen Teams-Kanal eingerichtet, auf dem wir regelmäßig informieren werden. Und wir haben einen weiteren Teams-Kanal initiiert, in dem die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Wahlwerbungen posten können, damit nicht alles über E-Mail läuft. Aber klar, es kommen schon einige Rückfragen, etwa zu den Fristen der Stützunterschriften. Also: Die Kommunikation ist in jedem Fall die größere Herausforderung als das Rechtliche, was aber auch daran liegt, dass wir auf das hervorragend dokumentiere Vorwissen der letzten Wahlen zurückgreifen können.

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Also: Die Kommunikation ist in jedem Fall die größere Herausforderung als das Rechtliche.

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Rein formell dürfte in nächster Zeit einiges anstehen …

Christopher Hahn: So ist es! Das erste war, den Wahlvorstand zu bestellen, was ja längst passiert ist. Zudem sind wir schon geschult worden, insofern sind wir da wirklich „safe“. Als nächster Schritt folgt das Aushängen des Wahlausschreibens zusammen mit der Wählerliste und der Wahlordnung. Das wird bei uns sowohl im Foyer hängen als auch online veröffentlicht werden, was gesetzlich zwar kein Muss ist, bei uns jedoch definitiv sinnvoll ist. Ich glaube, es war in der Vorstellung des Gesetzgebers noch nicht so präsent, dass es mal Firmen geben wird, bei denen die Mitarbeiter nicht alle an einem Standort zusammenkommen. 

Ist das Amt bisher so, wie Du es erwartet hattest?

Christopher Hahn: Ganz ehrlich? Ich hatte erwartet, dass es noch viel, viel mehr Aufwand ist. Vielleicht kommt das ja noch, weil wir relativ früh dran sind. Ich glaube, hektischer wird es, wenn wir die Briefwahlunterlagen zusammenstellen. Da alles richtig zu machen, wird noch mal eine logistische Herausforderung. Aber ich habe da jetzt keine Angst vor, eben auch deshalb nicht, weil wir viel Erfahrung im Vorstand haben.

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Als Wahlvorstand bin ich hier natürlich total neutral.

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Wie schafft man es, als Wahlvorstand Neutralität gegenüber Kandidaten und Listen zu bewahren?

Christopher Hahn: Es ist schon ein großes Thema, weil ich mich in der Diskussion beispielsweise vorher mehr für die Personenwahl eingesetzt hatte – in der Rolle des Mitarbeiters Christopher. Als Wahlvorstand bin ich hier natürlich total neutral. Ich muss also immer gucken und dann sagen: „Okay, jetzt habe ich den Hut auf oder den anderen.“ Das klappt ganz gut, weil ich zum einen relativ pragmatisch bin und zum anderen eine Mediatoren- und Coach-Ausbildung habe und dieses Spiel mit den Rollen verstanden habe. 

Wirst Du selbst als Betriebsrat kandidieren?

Christopher Hahn: Ja, ich habe mir immer gesagt: Wenn ich nochmal irgendwo festangestellt bin, versuche ich, in den Betriebsrat gewählt zu werden. (tis)

Christopher Hahn | © ifb

Christopher Hahn

Christopher Hahn wohnt in Düsseldorf und war lange Zeit als selbstständiger Eventmanager tätig. Auch aus familiären Gründen – die Mutter seines Sohns kommt aus Seehausen – bewarb er sich beim ifb und ist seither als Seminarbetreuer in ganz Deutschland unterwegs. Die BR-Wahl 2026 begleitet er erstmals als Wahlvorstand.

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