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Zoff um Betriebsratswahl bei Schalke 04

Wichtig ist nicht nur auf´m Platz!

Schon lange klagten Mitarbeiter des Bundesliga-Klubs Schalke 04 über die Zustände auf der Geschäftsstelle. Von einem Klima der Angst und Einschüchterung war die Rede. Trotz deutlichem Gegenwind stießen Mitarbeiter daher die Gründung eines Betriebsrats an. Inzwischen sind 13 Betriebsräte gewählt und haben die Arbeit aufgenommen. Öffentlich wollen sie sich noch nicht zu Wort melden.

Stand:  3.6.2019
Lesezeit:  03:00 min
zoff-um-betriebsratswahl-bei-schalke04 | © AdobeStock | 322837504 | Олександр Луценко

Von Michael Voregger

Die aktuelle Saison ist für Schalke 04 schlecht gelaufen und der Abstieg in die Zweitklassigkeit wurde nur mühsam verhindert. Der sportliche Offenbarungseid hat davon abgelenkt, dass es auch hinter den Kulissen nicht immer erstklassig zuging. Schon vor Monaten hatten Mitarbeiter des Bundesliga-Clubs über die Zustände auf der Geschäftsstelle geklagt. Es solle ein Klima der Angst und Einschüchterung herrschen, aber mit Namen wollte niemand genannt werden. Finanz-Vorstand Peter Peters (56) und Marketing-Vorstand Alexander Jobst (45) sollen versucht haben, die Gründung des Betriebsrats zu verhindern.

Die Gründung des Betriebsrats bei Schalke 04 fand unter schwierigen Bedingungen statt

Eine Gründung mit Anlauf

„Der Betriebsrat von Schalke 04 wurde gegründet, trotz extremen Gegenwindes. Teilweise von Mitarbeitern, aber überwiegend durch die beiden Vorstände Peter Peters und Alexander Jobst. Das innerbetriebliche Klima hat sehr dadurch gelitten", kritisierte der Blogger und Schalke-Experte Hassan Talib Haji. „Seit einigen Tagen ist es Gewissheit. Die Mitarbeiter des FC Schalke 04 haben demokratisch und dementsprechend mit einem Mehrheitsvotum einen Betriebsrat gegründet. Dafür gibt es Gründe".
Die Kritik wurde von Schalker Seite nicht öffentlich kommentiert. Von Klubseite heißt es aber: „Jeder im Verein, auch der Vorstand, ist überzeugt, dass eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Vereinsführung und dem Betriebsrat nur gut sein kann". Damit bewegt sich der „Kumpel- und Malocherclub" in der Bundesliga in ausgesuchter und überschaubarer Gesellschaft. Nur Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg verfügen über einen eigenen Betriebsrat.

Kein Mitarbeiterrat

Die Gründung des Betriebsrats fand unter schwierigen Bedingungen statt. Vielleicht ein Grund dafür, dass sich die Betriebsratsvorsitzende Martina Lenz derzeit nicht öffentlich äußert.

„Der Vorstand von Schalke 04 hat einen Mitarbeiterrat vorgeschlagen. So nach dem Motto: Wir sind alle eine große Familie", sagt Bärbel Sumagang von ver.di, die die Gründung des Betriebsrates begleitet hat. „So etwas gibt es im Betriebsverfassungsgesetz nicht und hat gar keinen juristischen Status. Bei Konflikten wäre man auf den guten Willen des Arbeitgebers angewiesen".

Dortmund hat es vorgemacht

Als erster Fußball-Bundesligaklub hatte sich bei Borussia Dortmund 2005 ein Betriebsrat gebildet. Zu dieser Zeit war der BVB in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Kündigungen standen an und Arbeitsplätze waren bedroht. Der fünfköpfige Betriebsrat kümmert sich um die bis zu 400 Kollegen in der Geschäftsstelle, im Ticketverkauf und im Merchandising. Dadurch sollte die notwendige Sanierung des wirtschaftlich angeschlagenen Fußball-Unternehmens sozialverträglich ablaufen.
Zu den wahlberechtigten Mitarbeitern zählen nach Auffassung der Gewerkschaft ver.di neben den Angestellten auch die Spieler der Profi-Mannschaft. So wie Christoph Metzelder, der später bei Schalke 04 spielte und seit 2004 Vizepräsident der Spielergewerkschaft VDV ist (siehe Kasten). Bisher spielte betriebliche Mitbestimmung im Geschäft mit dem Fußball keine große Rolle.

VDV - Die Spielergewerkschaft

Gute Geschäfte und viele Mitarbeiter

Schalke 04 ist ein wichtiger Faktor in der Region. „Das Geschäftsjahr 2018 verlief aus wirtschaftlicher Sicht hervorragend. Neben den Rekordwerten bei Umsatz und Ergebnis freut uns die erfolgreiche Finanzierung des Bauvorhabens Berger Feld", sagt Peter Peters, Vorstand Finanzen und Organisation. „Dabei macht uns besonders stolz, dass wir parallel zur zweitgrößten Investition der Vereinsgeschichte die wirtschaftliche Konsolidierung des FC Schalke 04 vorangetrieben haben".
In Europa liegt Schalke 04 bei den Unternehmenswerten im Profifußball mit 691 Millionen Euro auf Platz 14. Angeführt wird diese Liga von Manchester United mit 3,1 Milliarden Euro. In Deutschland liegen nur Bayern München und Borussia Dortmund vor den Schalker Knappen. „Der FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. hat im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 350,4 Mio. Euro erzielt und damit seine bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2016 (265,1 Mio. Euro) deutlich übertroffen", heißt es im aktuellen Geschäftsbericht. Der Konzernjahresüberschuss erreicht mit 40,5 Mio. Euro einen neuen Höchststand. Die Umsatzsteigerung wird vor allem durch steigende Einnahmen im Bereich Medien und beim Sponsoring erreicht.

Schalke 04 Betriebsratsgründung | © imago images / Revierfoto

Der Schalke-Leitsatz: „Wir leben dich"

Fußballclubs als Eingetragener Verein: Schalke, Mainz und Freiburg

Hoffnung auf Verbesserung

13 Mitglieder hat der frisch eingesetzte Betriebsrat beim FC Schalke 04, die nicht nur für die etwa 500 festangestellte Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen des Vereins zuständig sind.
An Spieltagen und bei Veranstaltungen sind es mit den Aushilfen bis zu 1.700. Von Vereinsseite wird erklärt, dass auch Fan-Shop-Mitarbeiter und Halbtags-Angestellte wahlberechtigt waren. Ein großer Teil der Aushilfen wird allerdings nicht direkt von Schalke 04 beschäftigt. Der Verkauf der Knappenkarten – einem eigenständigen Bezahlsystem im Stadion – wird zum Beispiel vom Westfälischen Wachschutz aus Recklinghausen organisiert.

Das Betriebsklima „auf Schalke" ist derzeit nicht das Beste und die Zukunft wird zeigen, ob der Betriebsrat zu einer Verbesserung beitragen kann. Denn der wirtschaftliche Erfolg eines Konzerns wie Schalke 04 hängt nicht allein von den Leistungen der Profis auf dem grünen Rasen ab.

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