Eine „unfaire“ BR-Wahl?

© AdobeStock | KarachoBerlin
Stand:  10.3.2026
Lesezeit:  02:45 min
Teilen: 

Tesla: Belegschaft in Grünheide hat neuen Betriebsrat gewählt

Betriebsratswahlen finden derzeit in vielen deutschen Unternehmen statt. Doch kaum eine Wahl wurde von externen Beobachtern so aufmerksam verfolgt wie die im Tesla-Werk in Grünheide. Das liegt neben dem Konflikt zwischen Unternehmen und Gewerkschaft auch daran, dass sich Berichten zufolge Tesla-Chef Elon Musk persönlich in die Debatte einschaltete. Das Positive: Es wurde gewählt. Allerdings spricht die IG Metall ganz offen über einen „unfairen Wahlkampf“.

Alle vier Jahre wählen Beschäftigte in deutschen Betrieben ihre Interessenvertretung. So stand auch im Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide im Frühjahr wieder eine Betriebsratswahl an. Während die meisten Wahlen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, war die Abstimmung beim Elektroautohersteller von Anfang an von besonderer Aufmerksamkeit begleitet. Warum? Schon in der Vergangenheit wurde immer wieder über Konflikte berichtet: Etwa über Arbeitsunfälle und potenzielle Umweltvergehen, Hausbesuche vom Chef, einen Bonus für die Anwesenheit oder den Verstoß gegen die Wahlvorschriften. Für die Tesla-Belegschaft natürlich äußerst zermürbend – umso wichtiger ist dort das Engagement eines starken Betriebsrats. 

Wahlbeteiligung bei fast 90 Prozent  

Rund 10.700 Mitarbeiter waren Anfang März 2026 zur Wahl aufgerufen, laut Handelsblatt haben ganze 87 Prozent an der Wahl teilgenommen. Am Ende setzte sich die nicht gewerkschaftlich organisierte Liste „Giga United“, die von der bisherigen Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz angeführt wird, mit zukünftig 16 Sitzen durch. Insgesamt entfielen 24 der 37 Sitze im neuen Gremium auf nicht gewerkschaftliche Listen, die „Tesla Workers GFBB“ von der IG Metall wurde mit 13 Sitzen zweitstärkste Kraft. Alles in allem sollen elf Listen zur Auswahl gestanden haben, 550 Kandidaten stellten sich zur Wahl.

Jahrelanger Konflikt  

Während bei vielen anderen Automobilherstellern die Betriebsratsgremien (zahlenmäßig) von der IG Metall dominiert werden, bleibt das beim US-Autobauer auch nach der jetzigen BR-Wahl etwas anders. Bereits seit Jahren versucht die Gewerkschaft, im Werk einen Tarifvertrag durchzusetzen, um Arbeitsbedingungen und Bezahlung stärker an die Standards der deutschen Automobilindustrie anzugleichen. Tesla lehnt einen Tarifvertrag bislang ab unter dem Hinweis „bereits übertariflich zu zahlen“. Vor diesem Hintergrund galt die Betriebsratswahl als richtungsweisend. Ein stärkerer Einfluss der Gewerkschaft im Betriebsrat hätte den Druck Richtung Tarifbindung durchaus erhöhen können.

Zitat

Immer wieder hat dieses Management versucht, diese Betriebsratswahl in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter, in einer IG Metall-Pressemitteilung (04.03.2026 – Nr. 18/2026)

Zitat

Der Wahlkampf verlief entsprechend angespannt. „Trotz aller Attacken des Managements und eines außergewöhnlich unfairen Wahlkampfs ist die IG Metall-Liste Tesla Workers GFFB zweitstärkste Kraft geworden. Dieses Potenzial werden wir nutzen, um gegen eine gewerkschaftsfeindliche Geschäftsführung bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen“, wird IG Metall-Bezirksleiter Jan Otto in einer Pressemitteilung zitiert. Und er wird im weiteren Verlauf sogar noch konkreter: „ … Immer wieder hat dieses Management versucht, diese Betriebsratswahl in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dafür nutzte es alle Mittel und alle Kanäle von Betriebsversammlungen, Einzelgesprächen mit Vorgesetzen bis hin zum Werksradio auf den Toiletten. All das gipfelte in der Drohung der Geschäftsführung und von Elon Musk, bei einem Wahlsieg der IG Metall-Liste die Investitionen einzustellen. Nie zuvor habe ich als Gewerkschafter ein Management erlebt, das mit all seiner Macht derart eine Betriebsratswahl zu beeinflussen versucht wie Tesla.“

Videobotschaft von Elon Musk?!

Der IG Metall-Bezirksleiter spricht hierbei eine Videobotschaft von Tesla-Chef Musk an, von der mehrere Medien übereinstimmend berichteten und in der dieser vor dem Einfluss „externen Organisationen“ gewarnt haben soll, die das Unternehmen seiner Ansicht nach „in eine falsche Richtung drängen“ könnten.

Zitat

Wir stehen ohne Wenn und Aber auf Seiten der Belegschaft.

Laura Arndt von Liste 1 „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ in einer IG Metall-Pressemitteilung (04.03.2026 – Nr. 18/2026)

Zitat

Wie es bei Tesla in Grünheide nun weitergeht und inwieweit das neue Betriebsratsgremium seine Arbeit in Ruhe aufnehmen kann, bleibt abzuwarten. Laura Arndt von der IG Metall-Liste verspricht jedenfalls: „… Wir werden uns auch im neuen Betriebsrat mit aller Kraft dafür einbringen, dass sich für uns und unsere Kolleginnen und Kollegen etwas ändert in der Gigafactory. Was für uns unverhandelbar ist: Wir stehen ohne Wenn und Aber auf Seiten der Belegschaft.“ Laut „Die Zeit“ prüfe die IG Metall derzeit einen Strafantrag wegen Behinderung der Gewerkschaften. Fortsetzung folgt. (tis)

Kontakt zur Redaktion

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Wenden Sie sich gerne direkt an unsere Redaktion. Wir freuen uns über konstruktives Feedback!

redaktion-dbr@ifb.de

Jetzt weiterlesen