Reicht die Ausbildungsvergütung noch?

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Stand:  23.9.2026
Lesezeit:  03:00 min
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Zwischen Miete, Benzin und Berufsschule – das kann die JAV tun

Noch nie haben Auszubildende so viel verdient wie heute, tarifliche Ausbildungsvergütungen steigen seit Jahren deutlich an. Dennoch bleibt bei vielen jungen Menschen am Monatsende nur wenig übrig. Wer beispielsweise für die Ausbildung umziehen muss, pendelt oder seinen Lebensunterhalt weitgehend selbst bestreitet, spürt schnell die Grenzen seines Budgets. Für Jugend- und Auszubildendenvertreter stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie attraktiv ist Ausbildung noch, wenn die Kosten des Alltags schneller wachsen als die finanzielle Unabhängigkeit?

Wer heute eine Ausbildung beginnt, verdient im Durchschnitt deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Nach aktuellen Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) erhielten Auszubildende in tarifgebundenen Betrieben 2025 durchschnittlich 1.209 Euro brutto pro Monat. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 6,7 Prozent. 2015 waren es durchschnittlich 876 Euro, 2005 sogar „nur“ 651 Euro. Auch der Blick auf einzelne Berufe zeigt eine positive Entwicklung. Pflegefachkräfte gehören dabei zu den am besten bezahlten Ausbildungen in Deutschland, sie erhalten derzeit laut TVAöD ca. 1.490 Euro im ersten, ca. 1.552 Euro im zweiten und ca. 1.653 Euro im dritten Ausbildungsjahr – und damit wesentlich mehr als noch vor einigen Jahren (2022 lag die Vergütung im ersten Lehrjahr noch bei 1.191 Euro). Aber auch die meisten anderen Berufe, selbst klassische Gewerbe- und Handwerksberufe, haben in den vergangenen Tarifrunden spürbar aufgeholt. Die Entwicklung zeigt: Unternehmen haben erkannt, dass attraktive Vergütungen ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Nachwuchskräfte sind. Eigentlich also eine gute Nachricht, das Problem beginnt jedoch, wenn das Geld sofort wieder das Konto verlässt. 

Wohnen wird zur größten Hürde 

Für viele Auszubildende ist die Miete der größte Kostenfaktor. Besonders in Ballungsräumen verschlingt sie einen erheblichen Teil der Vergütung. Laut des Mietpreisspiegels lagen die durchschnittlichen Angebotsmieten für Bestandwohnungen 2025 bundesweit bei 11,60 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete – seit 2010 sind sie damit um mehr als 70 Prozent gestiegen. Für einen Azubi, der zum Beispiel eine kleine Wohnung mit 40 Quadratmetern anmietet, können damit bereits mehr als 460 Euro Kaltmiete anfallen. Hinzu kommen Nebenkosten, Strom und Internet. In Großstädten ist die tatsächliche Belastung meist noch deutlich größer. Gerade junge Menschen sind davon besonders betroffen, schließlich befinden sich viele Ausbildungsplätze in Regionen, in denen Wohnraum knapp und teuer ist. Wer nicht mehr bei den Eltern wohnen kann oder möchte, muss einen erheblichen Teil seiner Vergütung direkt für das Dach über dem Kopf einplanen.

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Für viele Auszubildende ist die Miete der größte Kostenfaktor.

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Die Alternative? Pendeln! Aber auch das kostet Geld. Anschaffungskosten für ein Auto, Versicherung und natürlich die „explodierenden“ Spritkosten machen das Pendeln nicht zwangsweise attraktiver. 63 Euro für das Monatsticket der Bahn wären da deutlich günstiger, allerdings lassen Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr gerade im ländlichen Raum oftmals zu wünschen übrig.

Der Einkaufskorb wird teurer 

Auch beim Lebensmitteleinkauf hat sich die Lage verändert. Die Preise für Nahrungsmittel sind laut Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung zwischen 2021 und 2025 um fast 32 Prozent gestiegen. Für Auszubildende heißt das: Das belegte Brötchen auf dem Weg zur Berufsschule, der Wocheneinkauf oder das schnelle Mittagessen kosten heute spürbar mehr als noch vor fünf Jahren.

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Reicht also das Geld zum Leben aus? Die nüchterne Antwort: oft nicht!

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Reicht also das Geld zum Leben aus? Die nüchterne Antwort: oft nicht! Zwar sind die Ausbildungsvergütungen in den vergangenen Jahren gestiegen, gleichzeitig haben sich jedoch Wohnen, Lebensmittel und Mobilität erheblich verteuert. Viele junge Menschen sind daher weiterhin auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen. Die Vorstellung, mit einer Ausbildungsvergütung vollständig auf eigenen Beinen zu stehen, ist für viele eher Wunsch als Wirklichkeit.

Was bedeutet das für die JAV? 

Für Jugend- und Auszubildendenvertretungen ist das ein wichtiges Thema. Finanzielle Sorgen wirken sich nicht nur auf die Lebensqualität aus, sondern auch auf Motivation und Gesundheit. Klar, Ausbildungsvergütungen werden meist in Tarifverträgen oder betrieblichen Regelungen festgelegt, die JAV kann also nicht einfach höhere Vergütungen beschließen. Dennoch hat sie Möglichkeiten, die Situation von Azubis zu verbessern. Zunächst kann sie auf die tatsächliche Lebenssituation der Azubis aufmerksam machen. Nicht jede Geschäftsleitung hat im Blick, wie hoch die Mieten am Ausbildungsstandort sind oder welche weiteren Belastungen entstehen. Die JAV kann diese Themen in Gesprächen mit dem Betriebsrat und dem Arbeitgeber auf die Tagesordnung bringen. Darüber hinaus kann sie sich für zusätzliche Unterstützungsangebote einsetzen: Zuschüsse zum Deutschlandticket, Fahrtkostenzuschüsse, günstige Wohnheimplätze, Kantinenangebote oder Lernmittelzuschüsse können für Azubis einen deutlichen Unterschied machen. Auch die Informationen über Fördermöglichkeiten gehören zu einer guten Interessenvertretung.

Diese Unterstützungsmöglichkeiten gibt es

Denn: Wenn die Ausbildungsvergütung nicht ausreicht, können verschiedene staatliche Leistungen helfen. Die wichtigste Unterstützung ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur für Arbeit. Sie richtet sich vor allem an Auszubildende, die während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnen können. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen außerdem Wohngeld, Kindergeld oder Leistungen nach dem BAföG infrage, etwa bei schulischen Ausbildungen. Daneben existieren regionale Förderprogramme, Fahrtkostenzuschüsse oder Unterstützungsangebote der Kommunen.

Eine wichtige Aufgabe der JAV besteht deshalb darin, finanzielle Belastungen sichtbar zu machen.
Wer die Sorgen der Auszubildenden kennt, kann sie gegenüber Betriebsrat und Arbeitgeber glaubwürdig vertreten. Und manchmal beginnt eine Verbesserung schon damit, dass jemand das Thema anspricht. (tis)

Ausgewählte Ausbildungsvergütungen 2025 im Vergleich (Westdeutschland)
Beruf 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr 4. Lehrjahr
Bankkaufmann/-frau 1.333 € 1.387 € 1.456 € –––
Fachinformatiker/-in 1.213 € 1.280 € 1.358 € –––
Automobilkaufmann/-frau 1.103 € 1.149 € 1.225 € –––
Fachkraft für Lagerlogistik 1.177 € 1.253 € 1.336 € –––
Chemielaborant/-in 1.198 € 1.270 € 1.341 € 1.442 €
Elektroniker/-in für Betriebstechnik 1.230 € 1.312 € 1.403 € 1.501 €
Anlagenmechaniker/-in 1.268 € 1.345 € 1.443 € 1.536 €
Florist/-in 938 € 1.034 € 1.135 € –––

Ausgewählte Ausbildungsvergütungen 2025 im Vergleich (Ostdeutschland)
Beruf 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr 4. Lehrjahr
Bankkaufmann/-frau 1.333 € 1.386 € 1.452 € –––
Fachinformatiker/-in 1.185 € 1.254 € 1.322 € –––
Automobilkaufmann/-frau 1.051 € 1.095 € 1.139 € –––
Fachkraft für Lagerlogistik 1.109 € 1.194 € 1.272 € –––
Chemielaborant/-in 1.198 € 1.249 € 1.305 € 1.379 €
Elektroniker/-in für Betriebstechnik 1.202 € 1.290 € 1.384 € 1.472 €
Anlagenmechaniker/-in 1.279 € 1.364 € 1.456 € 1.534 €
Florist/-in 697 € 707 € 882 € –––

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