Timo Heinze über Niederlagen, offene Fehlerkultur und den Mut, im richtigen Moment den Kurs zu ändern
Der Traum vom Profifußball war zum Greifen nah, doch am Ende kam es anders. Timo Heinze kennt Rückschläge nicht nur aus der Theorie. Heute ist der ehemalige Fußballprofi Sportpsychologe und Bestsellerautor und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, was wir aus Niederlagen lernen können. Im Kurzinterview spricht er darüber, warum Scheitern eine Chance sein kann, was eine offene Fehlerkultur bewirkt und wann es Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen.
Herr Heinze, Sie haben selbst erlebt, dass ein großer beruflicher Traum platzen kann. Was haben Sie über das „Scheitern“ gelernt, das Sie gerne schon damals gewusst hätten?
Timo Heinze: Mir war damals noch nicht so bewusst wie heute, dass es zum einen normal ist, zu scheitern, und es immer wieder auf mich zukommen wird. Und zum anderen, dass Scheitern eine immens große Chance bedeuten kann. Nämlich dann, wenn ich es nach der ersten Enttäuschung bewusst nutze, um für mich herauszufinden, was ich beim nächsten Mal selbst besser beeinflussen und daraus lernen kann. Die wenigsten Menschen, besonders in unserem Kulturkreis, gehen gezielt so vor.
Betriebsratsvorsitzende müssen Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und dabei aushalten, dass nicht jeder Weg funktioniert. Was hilft, wenn man merkt: So kommen wir nicht weiter?
Timo Heinze: Meiner Meinung nach geht nichts über eine offene Kommunikation. Viele haben Sorge vor einem Autoritätsverlust in solchen Situationen. Wenn Sie aber den Mut und die Größe haben, ganz ehrlich zu sagen, dass Sie zwar das Beste im Sinn hatten, Ihr erster Ansatz aber wohl eben nicht der passende war, bringt Ihnen das viel mehr Respekt und Sympathie ein. Und ganz nebenbei zeigen Sie als Vorbild für die anderen, dass es unter Ihrer Führung erlaubt oder vielleicht sogar willkommen ist, über Fehler zu sprechen. Und wissen Sie, was dann meistens passiert, egal ob in einer Fußballmannschaft oder in einer Firma? Alle haben in der Folge weniger Angst vor Fehlern und machen am Ende genau deshalb auch weniger.
Manchmal braucht es Mut, einen eingeschlagenen Kurs zu ändern. Woran erkennt man, ob es Zeit ist, durchzuhalten oder Zeit, etwas anders zu machen?
Timo Heinze: Das ist zugegeben gar nicht so leicht, denn man will ja auch nicht einfach die Flinte ins Korn werfen. Und ich persönlich bin auch kein Fan davon, beim ersten Widerstand direkt hinzuschmeißen. Es ist normal, dass es mal schlechter läuft oder stressigere Phasen auftreten. Wenn ich aber für mich merke, dass mir eine Aufgabe über einen längeren Zeitraum einfach keinen Spaß macht und vor allem unverhältnismäßig Energie zieht, mir aber kaum welche zurückgibt, könnte es Zeit für eine Veränderung sein. (tis)

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