800 Millionen Euro?! Debatte um Arbeitszeiten und Arbeitskosten verschärft sich
Bei Mercedes-Benz wird über die Zukunft des Standorts Deutschland gerungen. Medienberichten zufolge möchte die Konzernleitung die Arbeitskosten deutlich senken. Im Raum stehen längere Arbeitszeiten, Einschnitte bei Sonderzahlungen und weitreichende Forderungen an die Belegschaft. Der Betriebsrat weist die Überlegungen zurück, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft über die Zukunft der deutschen Werke.
Seit Monaten arbeitet Mercedes-Benz an einem umfangreichen Programm zur Kostensenkung. Ende September erhielt die Debatte eine neue Dimension: Die WirtschaftsWoche berichtete unter Berufung auf Insider, dass der Konzern in Deutschland bis zu 800 Millionen Euro bei den Arbeitskosten einsparen wolle. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns. Als Gründe gelten unter anderem die schwierige Geschäftsentwicklung in China sowie weitere Belastungen für das Unternehmen wie etwa die höheren US-Zölle.
800 Millionen? Bislang keine Bestätigung von Mercedes
Das Unternehmen selbst bestätigte die genannte Summe nicht und verwies auf laufende Gespräche. Wie die Einsparungen erreicht werden könnten, ist den Berichten zufolge noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert würden unter anderem längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohnausgleich, Änderungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie der Wegfall einzelner Sonderzahlungen. Da diese Themen tariflich geregelt sind, wären dafür Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern erforderlich.
Die Debatte um die Arbeitszeit
Besonders kontrovers wird über die Arbeitszeiten diskutiert. Nach dem Bericht fordert Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, von den Beschäftigten unbezahlte Mehrarbeit und stellt die seit Jahrzehnten bestehende 35-Stunden-Woche in Frage. Der Konzern begründet dies mit der Notwendigkeit, die Produktivität an den deutschen Standorten zu erhöhen. Auch Martin Brudermüller, Aufsichtsratschef des Unternehmens, hatte sich bereits beim „Handelsblatt“ für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ausgesprochen.
Betriebsrat lehnt Verschlechterungen klar ab
Während die Unternehmensleitung auf Einsparungen drängt, versucht die Arbeitnehmerseite den Spielraum abzustecken. Nach Informationen der WirtschaftsWoche soll Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali die Möglichkeit einer befristeten Ausweitung der Arbeitszeit ins Gespräch gebracht haben. Sein Vorschlag laufe darauf hinaus, dass die Belegschaft wöchentlich zwei Stunden mehr arbeiten könne – befristet auf zwei Jahre. Voraussetzung wären demnach verbindliche Zusagen für Investitionen, neue Produkte sowie den Erhalt deutscher Standorte und Arbeitsplätze.
Eine Einigung ist jedoch nicht in Sicht. Nach Angaben einer Betriebsratssprecherin befinden sich die Gespräche weiterhin in einem frühen Stadium. Verhandelt oder beschlossen sei bislang nichts. Im Gesamtbetriebsratsgremium werden die diskutierten Ansätze offenbar durchaus kritisch gesehen.
Werksschließungen sorgen für zusätzliche Spannung
Für zusätzliche Unruhe sorgten Berichte über mögliche Konsequenzen, sollte das Unternehmen seine Sparziele nicht erreichen. So erklärte Produktionsvorstand Michael Schiebe auf einer Betriebsversammlung, dass ein deutsches Fahrzeugwerk und ein deutsches Powertrain-Werk geschlossen werden müssten, falls die Kosten nicht deutlich sinken.
Der Betriebsrat reagierte darauf umgehend. Einer Sprecherin zufolge würden Drohungen mit Werksschließungen auf „entschiedenen Widerstand“ stoßen. Gleichzeitig bekräftigte der Betriebsrat sein Ziel, die deutschen Standorte durch neue Produkte, Technologien und Innovationen langfristig zu sichern. Die Fronten sind damit klar abgesteckt. Während Mercedes auf deutliche Kostensenkungen drängt, fordert die Arbeitnehmerseite verbindliche Zusagen für Beschäftigung und Standorte. Wie die laufenden Gespräche ausgehen, ist offen, konkrete Ergebnisse liegen bislang nicht vor. (tis)
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